Mal anders: Zum Auftakt gab es eine Gesangseinlage des „Ammersee Shanty Chors“.
Bürgermeister Christian Schiller informiert über Gymnasium, Wohnraum und großen Zusammenhalt.
In der Bürgerversammlung in Herrsching legte Bürgermeister Christian Schiller seinen alljährlichen Rechenschaftsbericht 2024 ab – von herausfordernden Schadensereignissen, bürgerschaftlichem Zusammenhalt und aktuellen Projekten.
Bevor Christian Schiller mit seinem Jahresbericht in „Medias Res“ ging, gab es für die rund 130 Besucher in der Martinshalle eine musikalische Überraschung: Der „Ammersee Chanty Chor“ gab ein Ständchen zum Besten und sorgte gleich zu Beginn der Bürgerversammlung für gute Laune.
Anschließend begann der Bürgermeister seinen Rückblick mit großen Bildern auf der Leinwand: Sturmschäden, Überschwemmungen und die damit verbundenen Aufräumarbeiten. „Das vergangene Jahr hatte einiges zu bieten“.
Was ihn am meisten beeindruckt habe, war das bürgerschaftliche Engagement und der Zusammenhalt von Vereinen und Institutionen, um Schäden zu beseitigen, das Kinderhaus wieder instand zu setzen und in der Übergangszeit Ersatzplätze zu finden. Besonders der Spendenaufruf zum „Stegneubau 2024“ trug Früchte. Mit einer Gesamtspendensumme von rund 113.000 Euro für den Bau von zwei Stegen sei die Aktion sehr erfolgreich gewesen und trug deutlich zur Entlastung des Haushalts bei. „Wir sagen Danke“.
Investitionen, Bahnhofsareal und bezahlbarer Wohnraum
Im Falle eines „Blackouts“ sei man in Herrsching bestens gerüstet. Das neue Stromaggregat der Feuerwehr (130.000 Euro) versorge im Notfall die Nikolaushalle mit Strom. Es leiste aber auch beim jährlichen Christkindlmarkt einen großen Dienst: „Wir sparen uns dadurch einen fünfstelligen Geldbetrag ein“, freute sich Schiller. Weitere Investitionen in 2024 waren eine neue Kehrmaschine für den Bauhof in Höhe von 152.000 Euro, die barrierefreie Bushaltestelle an der Grund- und Mittelschule (125.000 Euro) sowie das neue 320.000 Euro teure Toilettenhäuschen am Bahnhof (Förderzuschuss 180.000 Euro), das bereits vor der ersten Inbetriebnahme den ersten Vandalismusschaden erlitt. „Wir haben uns für eine extra beschichtete Fassade entschieden, um das Gebäude besser reinigen zu können. Leider wurde eine Scheibe zerschlagen“, bedauerte der Bürgermeister. Dennoch sei das WC voll funktionstüchtig. „Das Geschäft läuft“. Rund 170 Euro wurden in der ersten Woche eingenommen, pro Nutzung 50 Cent.
„Als Schmuckstück“ bezeichnete der Rathauschef das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude. Über eine Neugestaltung des Areals mit gastronomischer Nutzung zerbreche sich der Gemeinderat schon seit Jahren den Kopf. Für einen Biergarten fehle es an Freiflächen, denn Grundflächen um den Bahnhof können – laut der Bahn – aktuell nicht erworben werden. Eine Vermietung sei zwar möglich, allerdings nur mit der Auflage, dass die Bahn das Mietverhältnis jederzeit kündigen könne. Falls sich in Zukunft das Eisenbahngesetz ändern sollte, könnten sich auch die Umstände ändern. Bis dahin sei das Projekt auf der Warteschiene, teilte er mit.
Beim Thema Finanzen kommt Schiller auf die Kreisumlage zu sprechen, die heuer bei elf Millionen Euro liegt und für die nächsten Jahre weiter ansteigen wird (2026 möglicherweise auf über zwölf Millionen). Der Grund für die Erhöhung der Kreisumlage liege an den vier Kliniken, die der Landkreis Starnberg unterhält. Diese haben ein hohes Betriebskostendefizit in zweistelliger Millionenhöhe, was wiederum über die Kreisumlage finanziert wird. „Wir müssen eventuell die Vereinszuschüsse reduzieren oder streichen“. Die Vereine habe man schon angeschrieben.
Auch das Projekt „bezahlbarer Wohnraum am Mitterweg“ mit 26 Wohneinheiten geht voran. Im März oder April soll der Spatenstich erfolgen. Die Kriterien für die Vergabe an potentielle Mieter werden erst in der darauffolgenden Gemeinderatssitzung im Rahmen der Förderrichtlinien festgelegt. Bekannt ist bereits der Mietpreis von je 12,80 Euro pro Quadratmeter.
Gymnasium und Krankenhaussituation
Landrat Stefan Frey war Gast in der Bürgerversammlung und hatte den USB-Stick zum neuen Gymnasium dabei. Das Baustellenvideo wurde bereits in der Infoveranstaltung präsentiert und ist auch auf der Homepage unter gym-herrsching.de abrufbar. „Der Zustand hat sich schon wieder ein stückweit verändert. Heute ist das Parkett fertig verlegt worden“, informierte er die Besucher. Er betonte, dass alles bis zum September geschafft werden müsse. Der Zeitplan sei richtig „auf Kante genäht“ und es dürfe keine Firma ausfallen. „Wir müssen im September starten. Es bleibt kein anderer Ausweg“, sagte er. Die anderen Schulen würden bereits aus allen „Nähten platzen“. Im Anschluss sprach er die Krankenhaussituation an, derentwegen die Kreisumlage im Landkreis so hoch sei. „Aufgrund der derzeitigen Aufgabenfülle und der Investitionen, die getätigt werden müssen, ist unser kommunales Finanzierungssystem komplett an die Grenzen gelangt.“
Anliegen der Bürger
Wieder einmal wurde die Einrichtung einer Kurzzeitpflege von Angelika Knülle angesprochen. Sie betonte die Wichtigkeit für pflegende Angehörige, die nie frei haben. Das Thema sei nicht vergessen, aber man bräuchte ein geeignetes Grundstück und einen Betreiber. „Wir bleiben auf jeden Fall dran“, versprach Schiller.
Eine Bürgerin wollte wissen, ob man beim Thema bezahlbarer Wohnraum Vorkehrungen gegen Fehlbelegungen treffen würde. Dazu gebe es klare Regelungen. Es gebe die Möglichkeit, den Mietern bei steigendem Gehalt den Wohngeldzuschuss zu kürzen, sagte Stefan Frey.
„Bleibt die Schindlbeck-Klinik in Herrsching erhalten?“, lautete eine Frage aus der Bürgerschaft. Für die Zukunft sei geplant, das klinische Angebot auf ein Krankenhaus zu konzentrieren, antwortete Frey. In zehn Jahren werde es nur noch ein Krankenhaus im Landkreis Starnberg geben. Wo das sein wird, könne man noch nicht sagen. Nur, dass die Bürger auch künftig innerhalb von 20 Minuten Hilfsangebote in Anspruch nehmen können.
Anna-Christine Vielhaber richtete sich mit einem Aufruf an die Bürger und die Gemeinde. Seit 26 Jahren steht sie als Schulweghelferin an der Ampel Kreuzung Mühlfelder Straße, Seestraße, Weinhartstraße. Sie liebt diese Aufgabe aber „wir brauchen dringend Unterstützung“, sagte sie. Man habe Schwierigkeiten Ersatz zu finden, wenn sie oder eine Kollegin krank seien. „Der Schülerlotsendienst ist wichtig und macht Freude. Kommen Sie zu uns ins Team, sprechen Sie uns an, wenn Sie uns an der Straße stehen sehen oder melden sich im Rathaus“. Christian Schiller freute sich über diesen „schönen Appell“ und hofft auf regen Zuspruch aus der Bürgerschaft.
Rund 130 Besucher lauschten dem Bericht des Bürgermeisters auf der Bürgerversammlung.
Für Sie berichtete Nicole Burk.