Ansichten von Herrsching um 1900

Kategorie: Kultur

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Postkarte mit Ansichten von Herrsching, dem Kiental und Lochschab von dem herrschinger Lehrer Wilhelm Lehr Anfang 1900 gestaltet.

Ein Bildvortrag nach Postkarten des herrschinger Lehrers Wilhelm Lehr
von Dr. Friedrike Hellerer im Kurparkschlösschen Herrsching

Bis auf den letzten Platz war der Saal im 1. Obergeschoss des Kurparkschlösschens in Herrsching besetzt als der 1. Vorsitzende des Kulturvereins Herrsching e.V. Dr. Heinz Hellerer das interessierte Publikum zu dem Referat „Herrsching um 1900“ von Dr. Friedrike Hellerer begrüßte. Anschließend stellte Martina Cabell die beiden jungen Musiker Luca Ponsa und Mathis Zolling vor, die den Abend professionell und virtuos auf ihren Hackbrettern eröffneten. Die Archivarin der Gemeinde Herrsching präsentierte in ihrem Bildvortrag historische Postkarten und Fotografien von Herrsching, dem Ammersee, sowie Ansichten der umliegenden Orte, die der herrschinger Volkschullehrer Wilhelm Lehr Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts aufgenommen, bearbeitet und angefertig hatte. Er war 1882 als Lehrer nach Herrsching gekommen. Mit seiner Frau Maria, eine geb. Wachter, hatte er vier Kinder. Er war Schreiber der Gemeinde tätig und engagierte sich in der Kirche als Organist und Chorleiter. Zudem gründete er 1901 den Burschen- und Sängerbund in Herrsching, der sich 1999 mangels Nachwuchs leider kurz vor dem 100-Jährigen Jubiläum auflöste. Lehrer Lehr war Herrschings erster Fotograf, als er in den 1880er Jahren in seiner Freizeit begann erste Aufnahmen zu machen.

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In ihrem Vortrag gelang es Dr. Hellerer die verschiedenen Postkarten, die häufig mit gezeichneten Rahmen, floralen Elementen, arrangierten Kindergruppen und erläuternden Schriftzügen gestaltet wurden, den originalen Fotoaufnahmen zuzuordnen. Dabei wurde deutlich, wie kreativ der Lehrer Lehr die Ansichtskarten von Herrsching am Ammersee häufig aus verschiedenen seiner Motive zusammensetzte. So kann man einige der wohldrapierten Kinder immer wieder auf unterschiedlichen Postkarten finden. Und in einigen Ansichten findet sich die majestätische Bergkettensilhouette mit Zugspitze auch in unrealistischen aber bildwirksamen Platzierungen wieder. Bei der damaligen Postkartengestaltung galt es, so viele Topmotive wie möglich in einer Ansicht zu verbildlichen. Die eine Möglichkeit war in verschiedenen Rahmen auf einer Karte mehrere unterschiedliche Motive zu zeigen oder – in einer Fotomalereimontage – die Zugspitze hinter dem Kloster Andechs zu platzieren, mit Herrsching am Ammersee im Vordergrund, wo – besonders wichtig ab 1903 – der Bahnhof auf weiter Ebene und ein, sich durch die Landschaft schlängelnder, kleiner Zug dargestellt wird. Die Attraktionen der Gegend sollten alle auf einen Blick erfassbar sein, da war die reale Ansicht zweitrangig.

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Nach einer erfrischenden musikalischen Einlage von dem Hackbrett Duo Ponsa und Zolling, die dieses Jahr schon den Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ gewonnen haben, setzte Hellerer ihren Vortrag mit Ansichten der Villen in und um Herrsching fort. Leider existieren viele von diesen herrschaftlichen Häusern heute nur noch auf den Ansichtskarten oder sind bis zur Unkenntlichkeit um- und verbaut worden. Grundsätzlich wurde noch einmal bewusst, wie stark sich doch die Ausdehnung der Bebauung in der Gemeinde in den letzten 100 Jahren verändert hat. Von wenigen Hofstätten, die sich weit meist entfernt vom Seeufer um die zwei Kirchen scharten, wurde der Ort zunächst durch einige verstreut angeordnete Villen mit Seeblick ergänzt, bis er sich dann nach und nach auf der gesamten Schwemmlandfläche zwischen dem Anstieg auf die Andechser Hochfläche und dem gegenüberliegenden Anstieg nach Rausch hinauf ausbreitete. Der Lehrer Wilhelm Lehr hat mit seinen Fotografien und seinen daraus mit viel Liebe zum Detail gestalteten Postkarten ein unersetzliches Zeitdokument geschaffen, das uns heute einzigartige Einblicke in die Entwicklung der Landschafts- und Ortsgeschichte Herrschings erlaubt. Leider verstarb er schon 1905, mit nur 45 Jahren. Man findet sein Gedenkkreuz auf der Anhöhe bei der Martinskirche zu Herrsching.

Heinz Hellerer, der 1. Vorsitzende des Kulturvereins freute sich sehr über den äußerst regen Zuspruch, den dieses spezielle regionale Thema beim Herrschinger Publikum fand. Abschließend gab nochmals das jugendliche Hackbrettduo eine gelungene Kostprobe ihres Könnens, nachdem Dr. Friedrike Hellerer die letzten Fragen im randvollen Saal beantwortet hatte.

Ein voller Erfolg: Der bis zum letzten Platz besetzte Saal im Kurparkschlösschen beim Bildvortrag von Dr. Friedrike Hellerer zum Thema „Herrsching um 1900“.

Für Sie berichtete Catharina Geiselhart.

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