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Wenn Klänge manchmal mehr sagen als viele Worte: Multikultureller Musikgenuss im BlaBla

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 10. November 2017

Das Stück heißt „6. November in Herrsching" und ist gerade eben entstanden. Es hat die Zuhörer im alten Kinosaal verstummen lassen bis zum letzten Akkord – und danach dann umso lauter applaudieren. Der Syrer Abathar Kmash, kam im Januar 2016 mit einem Freund und seiner Oud, eine persische Kurzhals-Laute über die Balkanroute nach Deutschland und führt hier fort, was er in seiner Heimat nicht mehr durfte: ein Leben für die Musik. Der ehemalige Hochschuldozent und Mitglied des syrischen Symphonieorchesters spielt seither in wechselnden Formationen und gab in Herrsching gemeinsam mit dem Münchner Liedermacher Stefan Noelle eine weitere Premiere des Zusammenspiels. Und als ob dieses Duo nicht schon abendfüllend und global genug wäre, trat vor der Pause noch eine weitere Künstlerin auf. Früher als Musikkabarettistin bei Les Derhosn und Sängerin bei gosch&klimpa bekannt gewesen, will sie jetzt im Solo durchstarten: Michaila Kühnemann.

Die Tage sind gezählt für die MoMo's im BlaBla: wahrscheinlich nur noch drei mal wird man hier im alten Kino zusammenkommen können und bei Musik, gutem Essen und Zeit füreinander. Ob aus Afghanistan, Nigeria, Senegal, Syrien, Herrsching oder anderswo – dieses Musik-Café hat sich zu einer interkulturellen Oase entwickelt, in der Integration gelebt werden kann. Und einen ganz besonderen Stellenwert darin haben eben diese ersten Montage im Monat entwickelt, zu denen - vor allem wohl dank des weitverzweigten Netzwerkes des Künstlerpaares Sylvana und Thomas Prosperi - sich immer wieder neue Musiker ansagen.
So freute sich die Filmemacherin und Sängerin Michaila Kühnemann über die Gelegenheit, hier ihre Solokarriere als Sängerin weiter auszubauen. „Für ein richtig langes Konzert reicht mein Repertoire noch nicht" grinst die ehemalige Sängerin von Les Derhosn – und Sylvana Prosperi findet es immer mal wieder ganz gut, wenn hier Frauen alleine auf der Bühne stehen. Auch wenn so manche der gekommenen Mädchen und Frauen aus den Reihen der Neuankömmlinge vielleicht nicht alle Texte verstehen. Eine Botschaft kommt auf jeden Fall ganz klar an: auch Frauen präsentieren sich hier alleine vor Publikum! „Ich komme wieder" meint die Künstlerin am Ende des Abends, der ihr und den Zuhörern ausnehmend gut gefallen hat.

BlaBla Musik 1

Musik spricht ihre eigene Sprache – davon gaben Abathar Kmash und Stefan Noelle ein eindrucksvolles Beispiel auf ihrer Premiere im Café BlaBla

Nach der Pause dann gänzlich andere Klänge von einem Duo, das sich ebenfalls gerade erst zusammengefunden hat: der Liedermacher Stefan Noelle, vielen bekannt durch sein Duo „Unsere Lieblinge" und das Ausnahmetalent an der Oud, Abathar Kmash. Er habe ihn spielen hören und daraufhin sofort den Wunsch verspürt, ein gemeinsames Projekt zu wagen, meint Stefan Noelle. Nur ein paar Mal traf sich der Münchner Chansonwriter, Drummer und Percussionist mit dem syrischen Musiker, der über sein Instrument so schnell in Deutschland angekommen ist. Und doch harmonisieren sie derart einfühlsam miteinander, dass die Zuhörer in den scheinbar endlosen Fluss ihrer Musik mitgenommen werden. Arabische Eigenkompositionen, Improvisationen des Oud-Spielers, auf die Noelle mit seinen Schlagwerken immer die passende Begleitung findet und dann auch ein Stück aus München, dem die Oud zu einem ganz neuen Klang verhilft. Ein bisschen Gewöhnung sei schon notwendig, um sich in die so ganz andere Musikrichtung einzufühlen grinst ein glücklicher aber auch etwas erschöpfter Liedermacher nach dem Konzert. So lange Tonstrukturen, die keine Wiederholungen kennen, wie es in unseren Kompositionen üblich ist, muss man sich erst mal merken.
„NUN" heißt dieses frischgebackene Duo syrisch/bayrischer Herkunft. „Nun" ist einmal schlicht das arabische „N" - und im Deutschen? „Zeit wird's" kann man es wohl einfach umschreiben und auch das trifft für vieles zu. „Musik verbindet, weil keine Sprache nötig ist" erklärte Abathar Kmash in einem Interview den Einfluss seines Instruments auf das Ankommen in diesem Land. Und die Musik war auch an diesem Abend im BlaBla wieder mal ein verbindendes Element, das Gemeinsamkeit – und ganz einfach viel Freude gemacht hat.

Für Sie berichtete Barbara Geiling