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Sterben muss manchmal nicht die schlechteste Alternative sein – Zumindest wenn das Ammerseer Bauerntheater seine Toten als Gespenster weiter leben lässt!

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 16. Oktober 2017

Als Batzbuddler, auch Totengräber genannt, hat man es nicht leicht. Besonders, wenn man in einer Umgebung lebt, wo die „scheiß gesunde Landluft" die Leute so lange am Leben lässt. Aber man könnte ja auch ein bisschen nachhelfen wenn von Amts wegen mindestens 2 Bestattungen im Monat notwendig wären um überleben zu können. Blöd nur, wenn dann die Leichen einfach als Gespenster weiterleben und sich weiterhin nach Lust und Laune in ihr Leben einmischen. Daran ist die Dorfverrückte nicht ganz unschuldig – genauso wie die Mitglieder des Ammerseer Bauerntheaters nicht ganz unschuldig daran sind, den vollbesetzten Andechser Hof über drei Stunden gut gelaunt bei der Stange zu halten. Mit den Gespenstermachern haben sie einmal mehr ein krachert bayrisches Theaterstück auf die Bühne gebracht, das die Spieler zu Höchstleistungen angespornt und die Gäste im Saal zu begeisterten Theatergängern gemacht hat.

Für die Begrüßung der Gäste hatte der Vorsitzende des Theatervereins, Franz Czasny, diesmal keine Zeit. Als Totengräber Schaufe wartete er bereits hinter dem Vorhang auf seinen Einsatz und so übernahm der frischgebackene Stellvertreter Alexander Tropschug diesen Part. Als „typisch bayrisch derb" charakterisierte er dieses Stück von Ralph Wallner, dem meistgespielten Theaterautor im süddeutschen Raum. Der als Autor, Schauspieler und Sänger tätige Künstler verfügt über einen immensen Erfahrungsschatz und doch steht der Spaß in seinen Stücken fast immer im Vordergrund. So auf jeden Fall in seinem Stück „Gespenstermacher", einer kraftvollen und lustigen Komödie vollgespickt mit witzigen Dialogen, in denen so manches Mitglied des Theatervereins seine wahre Bestimmung gefunden zu haben scheint. „Wenn es euch nicht gefallen hat, dann liegt es an mir" lacht eine erleichtert aussehende Regisseurin Monika Jäger nach der Premiere. „Denn alle haben genauso gespielt, wie ich es mir vorgestellt habe!"

Bauerntheater Gespenster 6

Mit viel Jubel und Applaus bedankten sich die Zuschauer für eine hervorragende Darbietung der „Gespenstermacher" bei den Mitgliedern des Ammerseer Bauerntheaters

Da ist z.B. die Moorwirtin Rosa Moderer, gespielt von Claudia Czasny. Mit sichtlichem Genuss lebt sie die Rolle der anfangs gar nicht mal so sympathischen Wirtin und ergießt sich in Schimpfkanonaden, die dem Publikum viele Lacher entlocken. Und wie sie dann als Gespenst mit etwas Rouge ihre gespensterhafte Erscheinung aufhübscht und feststellt das der „Arsch gar nicht mehr auf den Löffel passt", den sie sich als Spiegel vorhält – kann man am Ende doch mit ihr fühlen. Besonders weil für sie ja jetzt die „Burschenfastenzeit" angebrochen ist, nachdem alle Versuche den Angebeteten (Andreas Stamp als Schuaster-Jackl lässt die Avancen stoisch an sich abprallen denn „Heiraten ist nur etwas für Menschen ohne Schmerzempfinden!") ebenfalls ins Gespenster-Jenseits zu befördern fehlgeschlagen sind. Zum Glück aber hat sie die „Giftspritzn'" Vevi (hervorragend lebendig und komisch gespielt von Renate Bartsch) als Kollegin. So sehr die Beiden zu Lebzeiten aneinandergeraten sind, finden sie jetzt zunehmend Gefallen an ihrem neuen Dasein und erfüllen den Ausdruck „Quälgeister" mit einer ganz neuen Bedeutung.

Bauerntheater Gespenster 4

So langsam können Renate Bartsch und Claudia Czasny ihrem Dasein als geisterhafte Erscheinung etwas Positives abgewinnen – lässt es sich so doch hervorragend ärgern und intrigieren

Im wahren Leben sind es die Ehemänner der Beiden, die hier auf der Bühne nun als Totengräber Schippe (Rainer Bartsch) und Schaufe (Franz Czasny) die kleinen fiesen Spitzen der Gespenster ertragen müssen. Durch den Fluch der Dorfdeppin Philomena (Simone Saalmann) belegt, können (und müssen!) sie als einzige im Dorf die Beiden sehen und diese Fähigkeit macht das Leben des Brüderpaars nicht gerade leichter. Mit vollem körperlichen und wortgewaltigen Einsatz meistern sie diese Rolle und lösen am Ende auch irgendwie den Zwiespalt, den ihr Beruf ihnen auferlegt hat. Denn da heißt es klipp und klar:„Nur durch Leich' wird man reich".

Bauerntheater Gespenster 1

Ob sich der ganze Schlamassel noch einmal zum Guten wenden kann? Ganz so leicht ist es halt doch nicht, wenn arbeitssuchende Totengräber, Gespenster und zukunftsorientierte junge Leute alle an ihr Ziel kommen wollen

Und wenn es Monika Jäger schafft, zwei Ehepaare ohne nachfolgende Scheidungsgedanken auf der Bühne zu vereinen, so finden hier auch immer wieder mehrere Generationen zueinander. Angela Schneiderbauer ist praktisch mit dem Ammerseer Bauerntheater groß geworden und stellt als Dirndl Lena einmal mehr unter Beweis, dass sie schon längst bei den „Großen" mithalten kann. Sie erschleicht sich den Gasthof - und später noch ganz andere „Sachen", die mit Knecht Leo (Tom Thaler: von freundlich hilfsbereit bis arrogant überheblich alles mühelos im Repertoire) einhergehen.
Und die Dorfdeppin Philomena? Sie bekommt am Ende endlich ihr Schweinernes mit Knödeln, erlöst den ein oder anderen von so manchem Problem – und wirft in diesem Stück mit so viel guten Sprüchen um sich, die man sich doch „eigentlich" am liebsten alle gemerkt hätte. Monika Jäger hat einmal mehr bewiesen, dass sie ein absolut sicheres Gefühl für die Besetzung ihrer Stücke hat.

Für Sie berichtete Barbara Geiling