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Neujahrsempfang der CSU und FU mit einem besonderen Ehrengast: Der russische Generalkonsul beleuchtet die bayrisch-russischen Beziehungen

Kategorie: Politik Veröffentlicht: 23. Januar 2018

Der Saal des Andechser Hofes ist groß. Doch wenn die CSU und Frauenunion zu ihrem traditionellen Neujahrsempfang laden, dann stößt er an seine Grenzen. Denn nicht nur das Zusammenkommen hat hier seine beliebte Tradition, sondern auch die Gewissheit, dass jedes Jahr wieder eine Persönlichkeit sprechen wird, die zu hören man nicht alle Tage eine Gelegenheit bekommt. In diesem Jahr war es der russische Generalkonsul aus München, Dr. Sergey Pawlowitsch Ganzha, der über die geschichtsträchtige Beziehung zwischen Russland und Bayern sprach. Eine Beziehung, die sich beileibe nicht nur auf die politische und wirtschaftliche Ebene reduziert.

Der herzlichen Begrüßung durch Fromuth Heene, der Vorsitzenden von CSU/FU, folgte ein Moment der Stille, in dem der ganze Saal dem unerwartet verstorbenen Schatzmeister der CSU und langjährigen Gastgeber Marcus Beilacher gedachte. In der Woche zuvor war er einem Aneurysma erlegen und hatte mit seinem Tod bei den vielen Weggefährten in Herrsching große Bestürzung hinterlassen.
Zu begrüßen dann gab es, wie jedes Jahr wieder, eine Reihe von Ehrengästen, die immer gerne zu diesem Empfand kommen. Ob Landtagsabgeordnete Ute Eiling-Hütig, Altbürgermeister Adolf Wexelberger, Ingrid Frömming, der Vorstand der Mittelstands-Union, Manfred Herz, der stellvertretende Landrat Georg Scheitz und viele andere mehr. Ute Eiling-Hütig nutzte die Gelegenheit ihres Grußwortes dann auch gleich, um über das neu erarbeitete 10-Punkte Programm von Markus Söder zu sprechen. Mut zu einer Bayrischen Lösung könnte man es kurz zusammenfassen – einer Lösung die dazu beitragen soll, dass es allen Menschen in diesem Bundesland gut geht. Ob Sicherheit, Verkehr, Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Umwelt: sie wollen all diese Themen weiter angehen und nicht durch Verbote sondern durch Anreize etwas bewegen.
Im Anschluss daran übernahm Dr. Sergey Ganzha das Wort. Der Generalkonsul der Russischen Konföderation in München bedankte sich herzlich für die Einladung in diese „malerische Gegend" und sprach seine besten Wünsche für das neue Jahr aus. Ein neues Jahr mit viel Kraft und Optimismus, denn „das brauchen wir alle in dieser turbulenten Zeit".
Wie bereits Fromuth Heene es angeschnitten hatte, ging auch der Diplomat einleitend auf die langjährige Beziehung zwischen Russland und Bayern ein. Die Migrationswellen im Gefolge der Oktoberrevolution, die Ansiedlung berühmter Künstler wie Kandinsky, Werefkin oder Jawlensky, der Druck der ersten Bolschewistischen Zeitung in München, die von dort nach Russland geliefert wurde u.a. Beispiele mehr aus der Vergangenheit. Und heute ein Chefdirigent der Bayrischen Philharmoniker aus Russland, genauso wie der Leiter des Bayrischen Staatsballetts. Die Millionen von Touristen, die – nicht nur in Zeiten des Oktoberfestes – hier sehr warmherzig aufgenommen würden. Der Austausch von Studierenden, den Ganzha für besonders wichtig hält, damit die Jugend sich einander in der Realität kennenlernt und nicht nur durch die Medien. Er sprach den Besuch von Franz-Josef Strauß 1997 in Moskau an, bei dem dieser während eines Treffens mit Gorbatschow die heute noch gültigen Worte aussprach: „Wir kommen alle aus Europa und hier darf es keinen Krieg mehr geben." Mit diesem Satz wäre eine neue Seite in der Beziehung eingeschlagen worden betonte Ganzha.

 

Neujahrsempfang CSU 1

Ute Eiling-Hütig und Fromuth Heene freuten sich, den Generalkonsul der Russischen Konföderation, Dr. Sergey Pawlowitsch Ganzha, zum Neujahrsempfang der CSU/FU empfangen zu dürfen

Eine Beziehung, die seiner Ansicht nach auch durch die Besuche Stoibers und Seehofers weitergeführt wurden. Deutschland sei die wirtschaftliche Lokomotive in Europa und Russland brauche die Zusammenarbeit „so wie die deutsche Wirtschaft unsere Ressourcen benötigt. Wenn wir etwas zusammen machen, können wir alle nur stärker werden." Er sprach in diesem Zusammenhang auch die Sanktionen an, die seiner Meinung nach ein Weg in die Sackgasse wären. Alle würden dabei verlieren, vor allem viel Zeit. Viel wichtiger sei es, sich gemeinsam den neuen Herausforderungen wie z.B. dem internationalen Terrorismus zu stellen. „Wir sind nicht mehr die Sowjetunion – wir exportieren keine Ideologien mehr" wiederholte der Gesandte mehrmals und lud die Versammlung ein, nach Russland zu fahren um das neue Russland kennen zu lernen.
Im Anschluss an die Rede von Dr. Ganzha gab es noch eine intensiv genutzte Zeit für Fragen. Im Vordergrund stand hier die Annexion der Krim, die nach mehrheitlicher Meinung sowohl gegen das Völkerrecht als auch gegen die Nachkriegsordnung verstößt. Dr. Ganzha bat darum, diese Handlung nicht isoliert und aus der Geschichte herausgerissen zu betrachten. Er spielte auf die politische Einmischung hinsichtlich der Teilung Jugoslawiens an und das Geschehen im Kosovo. „Wir hatten damals viele Fragen an unsere Partner aber erhielten keine Antworten." Dr. Ganzha brachte das Referendum von Frank-Walter Steinmeier ins Gespräch das dieser in seiner Zeit als Außenminister ausgehandelt hatte. Alle politisch Beteiligten sollten an der Regierungsbildung beteiligt werden, aber dann seien die Radikalen gekommen und hätten diese Ansätze zerstört. Die Ukraine in der heutigen Ausbildung sei ein Kunststaat, den es so nie gegeben hat – auch diese Tatsache bat er zu berücksichtigen.
„Wir müssen mehr miteinander reden" war sein Plädoyer für die Zukunft. Ein Ansatz dafür sind solche Besuche, wie an diesem Abend. Weiterer Austausch aber wird stattfinden müssen, denn noch blieben einige Fragen offen.

Für Sie berichtete Barbara Geiling