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Bekommt Herrsching eine Event-Arena? Und was bedeuten die verschärften Sicherheitskonzepte für die Veranstaltungen in Herrsching? Gemeinderatssitzung vom 13.02.2017 – berichtet von Barbara Geiling

Kategorie: Politik Veröffentlicht: 15. Februar 2017

Selten stieß eine Gemeinderatssitzung auf so viel Interesse wie am 13. Februar: ca. 60 Menschen drängten sich in den Sitzungssaal um Top 4 der Tagesordnung mitzuverfolgen. Die Verantwortlichen des GCDW hatten auf Antrag der CSU ihr Konzept einer Multifunktionsarena vorgestellt und dieses Thema scheint auf großes Interesse zu stoßen. Während dieser Punkt auf ein sehr positives Echo stieß, gab es innerhalb der Gemeinderäte zum Thema neue Sicherheitskonzepte anschließend sehr lebhafte Diskussionen. Bei höheren Auflagen in diesem Bereich befürchten einige das Aus für eine Reihe von Veranstaltungen und auch die Verhältnismäßigkeit für einen Ort wie Herrsching wurde in Frage gestellt.

„Es geht hier nicht um eine Volleyballhalle!" Diesen Punkt wollte der Trainer des GCDW, Max Hauser, von Beginn an klarstellen. „Wir schieben dieses Projekt in erster Linie an, weil wir Herrschinger und nicht weil wir Volleyballer sind." Seit 200 Jahren lebe seine Familie hier in dem Ort, der Teammanager Fritz Frömming kommt von hier ebenso wie Marketingleiter André Bugl. Auch viele Spieler seien hier Zuhause, bzw. würden gerne in den Ort ziehen, wenn sie eine Wohnung fänden.
Die Herrenmannschaft der Volleyballer des TSV Herrsching habe eine kleine Sportgeschichte geschrieben in dem sie sich durch die Ligen ganz nach oben gespielt hat. „Heute spielt so ein kleines Dorf wie Herrsching gegen Frankfurt oder Berlin" betonte er – und doch würde ihr Alltag nur zu 50% vom eigentlichen Sport bestimmt. „Die Hälfte unserer Energie stecken wir seit 3 Jahren nur in unser Hallenproblem" und auch deswegen würden sie den Bau einer solchen Arena pushen. Noch drei Jahre dürfen sie für die Bundesligaspiele die zu kleine Nikolaushalle benutzen und spätestens bis dahin müssen sie dem Volleyballverband eine andere Lösung präsentieren. „Ich steige mit dieser Mannschaft nicht freiwillig in die 2. Bundesliga ab, um dem Hallenproblem aus dem Weg zu gehen" stellte der Trainer klar. Ohne Arena also würde sich der GCDW eine neue Heimat suchen.

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Fritz Frömming, Max Hauser, André Bugl, Christian Schiller und Günther Pausewang gehen gutgelaunt in die Präsentation einer Multifunktionsarena in Herrsching, die viele soziale, sportliche und wirtschaftliche Zwecke in sich vereinigen soll

Im Anschluss übernahm es dann André Bugl, ihr Konzept einer solchen Multifunktionshalle in Herrsching vorzustellen. Informativ und detailliert sprach er die variablen Nutzungsmöglichkeiten ihrer Idee an, stellte Beispiele in anderen Orten vor, und präsentierte zwei mögliche Baukonstruktionen. Hinsichtlich der Finanzierung habe man Kreditgeber gefunden, die einen zinslosen Kredit für dieses werbewirksame Projekt bereitstellen würde. Bau und Instandhaltung würde über eine Betreibergesellschaft abgewickelt. Die Gemeinde müsste den benötigten Grund verpachten, aber hätte darüberhinaus keine Kosten und Risiken. Vielmehr würden durch Mieteinnahmen und den überregionalen Werbeeffekt zusätzliche Steuereinnahmen zu erwarten sein. Bezüglich der Bauart würde Bugl eine Stahl-Tragluft-Konstruktion bevorzugen, die Vorteile gegenüber dem herkömmlichen Stahl-Beton-Bau aufweise. Mit einem Preisvolumen von 3,5 bis 4 Millionen inklusive der Parkplätze wäre sie deutlich preisgünstiger, flexibler in Erweiterung oder Rückbau und zu 100% aus recycelbaren Material hergestellt. Man ist hier mit einem Anbieter im Gespräch, der nur zu gerne ein solches „Leuchtturmprojekt" in Herrsching zu sehr guten Konditionen errichten würde.
Zum Abschluss der Präsentation sprach Max Hauser nochmal den hohen Wert eines solchen Projekts für den Ort an. Den sozialen Aspekt mit ausreichend Platz für Integrationsmaßnahmen, Sportstätte für die Vereine, etc.; Raum für kulturelle Veranstaltungen, die einerseits Menschen von außen nach Herrsching locken und sich positiv auf die Wirtschaft auswirken und andererseits den Bürgern lange Anfahrtswege nach München ersparen. Ein großer Parkplatz, der zur Verkehrsentlastung im Ort beiträgt, die Vorreiterrolle für diese Region, in der es bislang keine solche Arena gibt, die Werbewirksamkeit hinsichtlich Tourismus, das Nullrisiko für die Kommune, die finanziell nicht belastet würde – und nicht zuletzt die letzte Chance für den Verbleib der Volleyballer in Herrsching.
„Lasst uns dieses Projekt gemeinsam angehen" plädierte André Bugl an den Gemeinderat abschließend, „um diese riesige und enorm lukrative Chance für Herrsching zu verwirklichen".
Im April will man sich in einer nicht-öffentlichen Sitzung zusammensetzen, um die Detailfragen und eine mögliche weitere Vorgehensweise zu klären. Das Echo auf die überzeugende Präsentation war sehr positiv und auch die Vertreter des GCDW gingen mit einem guten Gefühl aus der Sitzung.

Neue Sicherheitskonzepte für Veranstaltungen im Gemeindegebiet Herrsching

Der positive Grundtenor der Sitzung aber wurde das nachfolgende Thema gestört. Den Räten lag ein Bericht des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord vor, in dem es über neue Regelungen zur Absicherung von öffentlichen Veranstaltungen ging. Alle Gemeinden sind aufgrund der veränderten Sicherheitslage dazu aufgefordert worden, ihre Sicherheitskonzepte neu zu planen und die Gemeinde Herrsching hatte hierzu bereits ein Gespräch mit der zuständigen Polizeibehörde geführt. Am Ende soll es dazu führen, dass jede öffentlich Veranstaltung frühzeitig angemeldet werden muss um im Vorfeld die Vorgehensweise mit einem Beauftragten der Gemeinde abzuklären und der Polizei ein Sicherheitskonzept vorzulegen.
„Muss Herrsching denn überall die Vorreiterrolle spielen" kam der Einwurf von Willi Welte in Richtung Bürgermeister, der für diese Zwecke eine neue Kraft in der Gemeinde einstellen will. Aus anderen Gemeinden wäre diesbezüglich auch noch nichts zu hören und mit den geforderten Konzepten würde man die Last auf die Ehrenamtlichen abwälzen. Eine höhere Gefährdungslage müsse „von oben" abgedeckt werden und das beinhalte auch endlich die Einstellung von mehr Polizisten.
Allgemein wurde es von vielen als unzumutbar angesehen, wenn die Vereine, die ihre Veranstaltung unter hoher Arbeitsbelastung ehrenamtlich auf die Beine stellen würden, auch noch hierfür zur Verantwortung gezogen werden. Man solle „den Ball flach halten" forderte Welte und bezog sich auf die im Brief angegebene „angemessene" Einschätzung der Lage.

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Auch der Faschingsumzug in der Bahnhofsstraße muss künftig ein Sicherheitskonzept vorlegen – der in diesem Fall durch zwei schwere Fahrzeuge an beiden Enden erfüllt sein wird

Vom Aus vieler Veranstaltungen sprachen Räte aufgrund des erhöhten Aufwands, von den Kosten dafür und wer sie übernehmen würde und auch von der Umsetzbarkeit. So ist eine Zutrittskontrolle beim Schlossgartenfest kaum möglich und auch die Märkte am See wären hiervon ausgeschlossen. „Ich hab's mir doch auch nicht ausgesucht" versuchte Christian Schiller zu beschwichtigen und forderte dennoch, dass die „Maßnahmen die durchsetzbar sind, auch durchgesetzt werden". Auf viele der gestellten Fragen wisse er auch noch keine Antwort und hier sei die Gemeindeverwaltung mit der Klärung intensiv beschäftigt. Mit zwei Gegenstimmen bewilligte der Gemeinderat die Finanzierung eines Sicherheitsexperten für die Ausarbeitung der Sicherheitskonzepte.
Eine erste Reaktion auf die geforderten Maßnahmen hatte der Bürgermeister bereits erhalten. Ludwig Darchinger lehnt als Vorsitzender des Vereins „ D'Herrschinger" aufgrund der gestiegenen Sicherheitsanforderungen die Verantwortung für die Ausrichtung des Schlossgartenfestes ab: „Wir wollen und können daher ab sofort keine Verantwortung für die Sicherheit des Festes mehr übernehmen" – und beantragt, diese Aufgabe zu 100% der Gemeinde zu übertragen.

Nach dieser erhitzten Diskussion war der letzte Punkt der Tagesordnung leicht abzuhandeln. Es ging um die Benennung der neu zu errichtenden Straße in Lochschwab, wo man sich schnell auf den Namen „Am Fendlbach" einigte.