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Die Gemeinderäte machen Überstunden: Sitzungsmarathon zum Nikolaus

Kategorie: Politik Veröffentlicht: 08. Dezember 2016

Barrierefreier Ausbau des Kurparkschlösschens – starke Verschmutzung des Bodens in der Nikolaushalle durch das Harz der Handballer – Haushaltsplan für 2017

Eigentlich sollte der Haushaltsplan für 2017 wichtigster Tagesordnungspunkt der vorletzten Sitzung des Gemeinderats für dieses Jahr sein. Doch ein weiterer Vorstoß zu den Möglichkeiten eines barrierefreien Ausbaus des Kurparkschlösschens und ein verdreckter Hallenboden rückten diesen wichtigen Punkt der Tagesordnung in den späten Abend hinein. Und so verfolgten dieses Mal viele Mitglieder der Handballabteilung ein Expertengespräch über einen Vorschlag für einen behindertengerechten Zugang zum Schloss.

 

 

Barrierefreier Zugang in das Kurparkschlösschen

Es wurde schon oft versucht und ist doch immer wieder an den Vorgaben des Amtes für Denkmalschutz oder anderen Regularien gescheitert: Menschen mit körperlicher Einschränkung einen einfachen Zugang in das Schloss zu gewähren. Seit der Kulturverein hier regelmäßig hochklassige Angebote präsentiert und ist dieses Ansinnen noch dringlicher geworden. Aber dieses Gebäude, das 2011 aufwendig brandschutzsaniert wurde, ist alt und darf nach Auflagen des Denkmalschutzes äußerlich nicht verändert werden. Eine Herausforderung für Architekten, der sich jetzt der Regierungsbaumeister Herbert Luy gestellt hat. Im Beisein von Dr. Kühnel und Herrn Sinning vom Landratsamt stellte er im Gemeinderat seine Pläne für einen möglichen Aufzug dar.

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Zu einem immer wiederkehrenden Thema im Gemeinderat hat sich der barrierefreie Ausbau des Kurparkschlösschens entwickelt

Herbert Luy sieht zwei Möglichkeiten für den Bau eines Fahrstuhls, wobei er eine im Süd-Östlichen Teil des Gebäudes vorzieht. Sie ist mit weniger Aufwand und daher auch kostengünstiger zu realisiere. Der Zugang wäre im hinteren Bereich des Schlosses wo sich auch die Lüftungsanlage befindet. Diese müsste dann unter dem Fundament hindurch nach oben verlegt werden. Treppenhaus, Toiletten und auch die vom Kulturverein genutzte Küche würden nicht berührt werden. Der Zugang zum Veranstaltungsraum könnte über das jetzt als Stuhllager genutzte Zimmer erfolgen.

Die zweite Möglichkeit im Nordosten hätte einen Umbau der Elektroinstallationen zu Folge sowie die Blindlegung zweier Fenster und andere Umbauten – und wäre damit für Luy die schlechtere Alternative. Der Bautechniker sieht in dem Einbau eines solchen Fahrstuhls wenig Probleme und hofft es mit kalkulierbaren Kosten durchführen zu können.
Anderer Meinung aber waren die beiden Sachverständigen aus dem Landratsamt. Für sie ist die Situation im Kurparkschlösschen mittlerweile vertraut und aus dieser Kenntnis heraus stellen sie dieses Projekt in Frage. Ein wichtiger Punkt ihrer Kritik zielt darauf ab, dass im Brandfall die Evakuierung Behinderter zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde, als durch die Gegebenheiten gewährleistet sind. Die Abnahme der Brandschutzsanierung erfolgte unter der Prämisse, dass sich in dem Gebäude Menschen aufhalten, die selbstständig flüchten können. Für Rettungsmaßnahmen von außen würden die Holzdecken nicht die notwendige Sicherheit gewährleisten. „Es ist alles machbar" stellte Dr. Kühnel klar, aber man solle sich immer die Frage stellen mit wie viel Geld man möglichst viel Gutes tun könne. „Muss wirklich jedes Gebäude für jeden Zweck nutzbar sein?" Oder wäre es geschickter, auch auf andere Örtlichkeiten auszuweichen wie z.B. die neue barrierefreie Veranstaltungshalle in Breitbrunn, den Saal in der Finanzschule – oder in Zukunft auch in das Bahnhofsgebäude, das ja bereits Eigentum der Gemeinde ist. Christine Gruber und Wolfgang Schneider aber stellten hier an die Nutzung des Gebäudes eine klare Forderung: Wird das Kurparkschlösschen weiterhin öffentlich genutzt, so muss alles für den barrierefreien Ausbau getan werden.
Nach längerer Diskussion wurde im Gremium beschlossen, dass im kommenden Haushalt 20.000 Euro für die genauere Machbarkeitsstudie eingestellt werden.

Der Hallenboden in der Nikolaushalle

Eine Schulturnhalle, dessen „hygienisch katastrophaler Zustand" einen Rektor der Schule veranlasst, den Turnunterricht einzustellen? Zu dieser drastischen Maßnahme hatte sich Florian Thurmair entschlossen, nachdem er aufgrund der Harzrückstände und damit einhergehenden Verschmutzung nicht mehr für die Sicherheit und Unfallfreiheit der Schüler garantieren konnte. Ein dringliches Problem, das der Gemeinderat daher noch kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt hatte.

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Als „hygienisch katastrophal" bezeichnet Rektor Florian Thurmair den Zustand des Bodens in der Nikolaushalle wo die Harzrückstände der Handballer nicht mehr durch normale Reinigung beizukommen ist

Herrsching ist stolz auf seine erfolgreiche Handballabteilung, die sowohl hervorragende Jugendarbeit leistet als auch mit den Damen und Herren zwei Teams in der Landesliga vorweisen kann. In den oberen Spielklassen ist der Einsatz von Harz für eine bessere Griffigkeit am Ball Usus und laut dem Spielleiter der Herren, Michael Zech, hat keine Mannschaft Chancen, die darauf verzichtet. Nur leider bleibt dieses Harz nicht nur an den Händen und am Ball, sondern überträgt sich natürlich auch auf den Boden. Hier bietet er jeglichem Schmutz gute Haftung an und ist, sobald er nach einigen Stunden aushärtet, nur mehr sehr mühsam zu entfernen. Das Problem ist schon lange bekannt und so war 2014 eine tägliche Reinigung durch die Reinigungsfirma beschlossen worden. Zudem sollten die Handballer direkt nach dem Training alle Harzflecken selber beseitigen. Nach Aussage des Hausmeisters aber ist diese Reinigung zu selten und nicht fachgerecht durchgeführt worden. Und wie schlimm der Hallenboden jetzt aussieht, konnten die Gemeinderäte anhand von Fotos sehen.

Für Turnhallen ist ein bestimmter Gleitwert vorgeschrieben um Verletzungsgefahren einzuschränken. Eine sofort anberaumte Messung ergab für die Nikolaushalle, dass dieser bedingt sicher, also noch nutzbar ist. Florian Thurmair hatte daraufhin zugestimmt, den Schulsport wieder aufzunehmen. Für die Weihnachtsferien wurde eine Reinigungsfirma, die auch ab Januar die tägliche Reinigung übernimmt, damit beauftragt, den Boden mit Spezialreinigern wieder sauber zu machen. Kostenpunkt 6000 bis 10.000 Euro. Danach wird sie die Reinigung inklusive Harzbeseitigung fortführen, was pro Woche ca. 500 – 1000 Euro Mehrkosten verursacht. Wer diese Kosten und auch die Einmalreinigung übernehmen soll, war anschließend Thema längerer Debatten und anschließender Beschlussfassung. Man einigte sich darauf, dass die Gemeinde die Kosten bis Ende März 2017 übernimmt. Bis dahin müssen der TSV Herrsching und Gemeinderat sich überlegen, wie man mit diesem Problem weiter umgeht. Die Vorschläge zu einem Harzverbot, dem Einsatz nur bei wichtigen Spielen oder der Kostenübernahme durch die Handballer wurden vorerst abgelehnt. Auch eine Selbstreinigung durch die Handballer kommt nicht mehr in Frage, da die Reinigungsfirma eine Beteiligung Dritter ablehnt und die unsachgemäße Anwendung des Reinigers in der Vergangenheit zu Schäden am Boden geführt hatte.
Andere Gemeinden stehen vor demselben Problem. So wurde in Vaterstetten ein komplettes Harzverbot ausgesprochen, in anderen Hallen ist der Einsatz nur für wichtige Spiele mit sofortiger Reinigung durch die Spieler gestattet und wieder andere bitten die Sportvereine zur Kasse um die Reinigungskosten zu tilgen. Christian Schiller bat bei diesen Überlegungen zu bedenken, dass Herrsching neben den Handballern noch 94 weitere Vereine aufweist und man bei den Kosten gleiches Recht für alle gelten lassen müsse. Bleibt für die Handballer noch die Hoffnung auf einen selbstklebenden Ball.

Der Haushaltsplan für 2017

„Die Gemeinde Herrsching kann aufgrund ihrer nach wie vor guten Steuerkraft einen positiven Ergebnishaushalt vorlegen." Zu diesem erfreulichen Ergebnis kommt der Kämmerer Manfred Wörle nach eingehender Prüfung des Haushalts und dem auf der alljährlichen Klausurtagung beschlossenen Haushaltsplan für 2017. Damit sei die „Pflichtaufgabe der Daseinsfürsorge weiterhin gewährleistet".
Ein positives Resümee des Kämmerers, dem eine detaillierte Aufstellung aller relevanten Zahlen folgte. Für das kommende Jahr ist au keine Darlehensaufnahme geplant, obwohl mit der Erweiterung der Christian Morgenstern Schule, der Beteiligung am Gymnasium, den Hilfsleistungen für das Seefelder Krankenhaus, Rücklagenbildung für Wohnungsbau und Kindergarten u.a. Vorhaben eine Reihe kostspieliger Investitionen anstehen.
Das Haushaltsvolumen des Jahres 2017 wird auf 25.526.201 Euro geschätzt, wovon ca. 4,8 Mio. auf Investitionstätigkeiten entfallen. Auf Antrag der CSU wurden noch zwei weitere Punkte zur Abstimmung gebracht. Sie wollen für die Jahre 2018 und 2019 je 150.000 Euro zur Sanierung des Gemeindehauses in Widdersberg im Haushalt bereitstellen sowie für Planung und Neubau einer Obdachlosenunterkunft 400.000 Euro im Jahr 2018. Beide Anträge wurden mehrheitlich beschlossen. In beiden Jahren wird Herrsching ein Darlehen aufnehmen müssen, um die Finanzierung der angestrebten Investitionen zu gewährleisten. Die daraus entstehende steigende Prokopf-Verschuldung sei aber noch durchaus im Rahmen betonte Wörle. Der Haushaltsplan für 2017 wurde einstimmig verabschiedet.

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Ein hoher Besuch schuf eine willkommene Pause in der langen Gemeinderatssitzung vom 6.12.2016