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Auf in den Kampf, Amore! Faltsch Wagoni begeisterte im Kurparkschloss mit ihrem neuen Programm

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 21. Dezember 2017

Sylvana und Thomas Prosperi sind Herrschinger. Und auch wenn sie Säle in anderen Städten füllen, begeisterte Anhänger in den Nachbarländern haben – so gehören sie doch irgendwie ein bisschen ganz besonders hierher. So zumindest verströmte es die Stimmung im vollbesetzten Kaminzimmer, wo zwei bestens aufgelegte Sprachakrobaten auf ein nicht minder gut gestimmtes Publikum traf. Geballter Sprachwitz, musikalische Extraklasse und beste Unterhaltung in Wohnzimmeratmosphäre ergab summa summarum einen richtig schönen Abend.

„Auf in den Kampf, Amore" lautet der Titel des neuen Programms, mit dem Faltsch Wagoni derzeit durch die Bühnen tourt. Ja, und ein bisschen kämpferischer als in der Vergangenheit zeigten sie sich die beiden Künstler auch. Witzig, wortgewaltig, temperamentvoll und musikalisch wie eh und je – aber eben auch etwas politischer als vielleicht in den vorangegangenen Programmen. Sie engagieren sich für die Neuankömmlinge in diesem Land und fragen sich verwundert, warum die Zuwanderung für so viel Unruhe sorgt. Müssten doch eigentlich die langen Wegstrecken der Geflüchteten eher für Bewunderung sorgen – in diesem unserem wanderfreudigen Land. „Haben Sie sich eigentlich schon mal integriert?" fragen sie ins Publikum – und was heißt das eigentlich? In ein großes Ganzes einfügen, vereinheitlichen übersetzt der Duden, sprich passgenau machen. Faltsch Wagoni schlägt die Imkerei als ideale Anfangsarbeit eines jeden Neuankömmlings vor: Fleiß Hierarchie, die feste Rolle von Mann und Frau – die Bienen leben vor, wie es geht. „Nach der Flucht ist vor der Demut", dieser Grundsatz ist doch schnell erlernt.

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Lady Dada und Mr. Folk alias Faltsch Wagoni: ein musikalisches Dialoggefecht vom Feinsten!


So schaffen wir uns doch einfach ein eigenes Empörien, ein Land der empathischen Europäer ohne Wachstumswahn und dafür Bescheidenheit. Wo der „Nebentan" den Untertan ersetzt und auf die Wählerliste nur darf, wer verschiedene Bedingungen erfüllt: sozial engagiert, kleiner ökologischer Fußabdruck ... sprich, älter als drei Jahre wird kein künftiger Wähler sein.
Sie schmiedet die Pläne als Lady Dada I. für dieses Land Empörien und er repräsentiert das Volk, ist also der Herr Folk. Ein Land ohne Sorgen, denn diese landen in der Restmülltonne. Doch halt: auch hier sollte eine Obergrenze her, denn schließlich ist die Endlagerung nicht zweifelsfrei geklärt. Ja früher, da hatten die Christen noch die Hölle dafür – aber in Zeiten der Abfalltrennung? Vielleicht sollten wir hierzu mal die Götter befragen, sitzen sie doch direkt an der Quelle des world wide web. Oder haben sie etwa nicht ihren Platz mitten in der cloud?
Freiheit aber, das ist wichtig für dieses neue Land. Doch sind wir eigentlich frei? Das Lied vom Mauerbau, das so trefflich die Einstellung dazu charakterisiert, klingt noch lange in den Ohren der Zuhörer nach. Denn bei allen Nachdenklichen, Lustigen, phantastischen Wortschöpfungen, den Dialoggefechten in denen sie sich die „Twitterkante" geben: die Musik kommt nie zu kurz bei den Beiden und macht gerade in diesem neuen Programm ganz einfach Lust auf mehr. Zwei Stimmen, die so zueinander passen, aufeinander hören und miteinander spielen. Da paart sich jahrelanges Miteinander mit so viel Spiel- und Ausdrucksspaß, dem sich keiner hier entziehen konnte.

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Ohne Zugaben jedenfalls dürfen die Beiden noch lange nicht von der Bühne. Und wenn dann der alte Klassiker vom blauen Planeten kommt, der lustig durch das Weltall torkelt – da könnte doch eigentlich der Abend noch lange so weitergehen!

Für Sie berichtete Barbara Geiling