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Ein Gitarrenabend der besonderen Art im Kurparkschloss: Johannes Öllinger und Martin Steubner präsentierten ein zeitgenössisches Programm jenseits der altbekannten Klassiker

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 20. November 2017

Es reichte alleine ein Blick auf die Requisiten dieses Duos um zu ahnen, dass an diesem Abend wohl kaum ein „normales" Gitarrenkonzert anstand. Da wurden Löffel ausgepackt und eigens konzipierte Gitarrenständer. Zwei Cello-Bögen kamen zum Vorschein und kleine Ventilatoren. Mittels dreier Notenständer wurde ein großer gefertigt und das Schallloch erhielt eine Verkleidung aus Papier. Und wem das nicht reichte, der erhielt spätestens nach einem Blick auf die Noten Gewissheit: hier würde bestimmt keine klassische Gitarrenliteratur gespielt werden, sondern irgendetwas ganz anderes. Aber es wurde richtig gut gespielt und das mit einer Virtuosität und klanglichen Vielfalt, die seinesgleichen sucht. Nur eben nicht so, wie „man" es halt gewohnt ist.

Mit einem Stück des Amerikaners Steve Reich begannen die beiden jungen Gitarristen ihr Konzert und hinterließen gleich zu Beginn einen prägenden Eindruck: hier paarte sich technische Brillanz mit einem ganz ausgeprägten Verständnis und Interpretationsgabe für ihre Musik. Da verschmolzen Töne in einen Fluss, um gleich darauf wieder abgehackt für sich zu stehen. Hier wurden sich Themen einander zugespielt, aufgegriffen und dann doch wieder eigenständig weitergeführt. Da wurde jede Facette und jede Möglichkeit des Instruments genutzt, um eine Klangvielfalt zu schaffen, die man so nicht oft erlebt. Und doch sollte dieses Stück dann letztendlich das „Normalste" des Abends bleiben. Denn waren hier noch die Seiten auf herkömmliche Weise angeschlagen worden, so sieht die Literatur des folgenden Komponisten Ray Lustig dafür auch ganz andere Methoden vor. Wenn gezupft, dann doch nur, wenn die Griffhand auf den Bünden tanzte und damit ein stakkato-artiges Treiben hervorrief. Später übernahm der Cello-Bogen den Anschlag und ließ die Töne miteinander verschmelzen.

Gitarrenkonzert 1

Martin Steuber und Johannes Öllinger zeigten eindrucksvoll auf ihrem Konzert im Kurparkschloss, wie facettenreich die zeitgenössische Musik sein kann und wie vielseitig die Gitarre einsetzbar ist

Bereits am Nachmittag hatte der Komponist Tom Sora in einem Vortrag über seine Arbeit gesprochen, die sich nicht „über einen Kamm scheren lässt und sich erfrischend individuell fern jeglicher Trends bewegt" wie es ein Musikpublizist ausdrückte. Für Gitarre hat er bislang nur zwei Stücke geschrieben, von denen das eine „Frei sein" an diesem Abend gespielt wurde. Ein Duo, in dem die Musik die Rezitation eines Textes von Immanuel Kant untermalt. Eine Herausforderung für die beiden Gitarristen, die ihnen – aber auch den Zuhörern - viel Konzentration abverlangte.
Die Pause dann nutzten die beiden Künstler, um noch weitere Requisiten auf die Bühne zu holen. Kapodaster, Löffel, zwei Ventilatoren, Gitarrenständer, einen Tisch und anderes mehr wurde vor den neugierigen Blicken des Publikums aufgebaut. Und noch größer das Staunen, als zu hören war welche Klänge sie im Folgenden ihren Gitarren entlockten. Die Instrumente klingen auch, wenn man die Seiten zweier von ihnen aneinander reibt oder sie mithilfe kleiner Taschenventilatoren bedient. Gezupft mit Plektrum oder Fingern, geklopft mit Löffel und Kapodaster – getreu dem Motto: es gibt viele Möglichkeiten, man muss sie nur nützen.

Gitarrenkonzert 3

 

Ein Konzert der ganz besonderen Art. Vielleicht eines, das man nicht zu oft hören kann, aber hier als Ausnahme faszinierte. Das an diesem Abend leider nur ein sehr kleines Publikum begeisterte. Vorgetragen mit großer Kunstfertigkeit und Harmonie von zwei jungen Gitarrenvirtuosen, die beide über ein großes Spektrum musikalischer Ausdrucksweise verfügen. Denen die neue, zeitgenössische Musik sehr am Herzen liegt und sich ein Johannes Öllinger trotzdem „tierisch darauf freut" in wenigen Tagen ein Soloprogramm von Bach vorspielen zu dürfen. Ein Musiker übrigens, der in der Woche vor diesem Konzert gerade erst den Bayrischen Kunstförderpreis erhalten hatte.

Für Sie berichtete Barbara Geiling