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Vom Mordschauplatz nach Märchenhausen - Die Theater AG der Realschule präsentiert gleich zwei gelungene Bühnenstücke

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 25. Mai 2017

Die Bühnendekoration besticht durch kreative Einfachheit. Es braucht nicht mehr, als ein auf Leinwand projiziertes Bild, ein paar Möbelstücke und Zettel, auf denen handschriftlich etwa „Rezeption" „Hotelzimmer" oder „Hinterhof" geschrieben steht, um klar zu machen, wo das Publikum sich gerade befindet. So gelingt es problemlos, an einem Abend gleich zwei Theaterstücke, die an den unterschiedlichsten Schauplätzen spielen, auf die Bühne zu bringen, ohne sich mit langen Umbauarbeiten aufzuhalten.

 

Das erste der beiden Stücke, mit dem die jungen Mitglieder der Theater AG an diesem Abend ihr Können unter Beweis stellen, ist die Kriminalkomödie „Oha, eine Leiche!", in dem das Ganovenpärchen Harriet und Henry (überzeugend und unterhaltsam gespielt von Emma Dittrich und Niko Bagavac) mit der Diebesbeute, die sie zuvor ihren Komplizen entwendet haben, in ein kleines Hotel am Ammersee flüchten, wo sie jedoch eine schaurige Überraschung erwartet: Unter dem Bett liegt eine Leiche. Diese ist zwar schnell entsorgt, doch es bleibt ein verdächtiger Blutfleck zurück, der bald nicht nur die Aufmerksamkeit der örtlichen Polizei auf sich zieht, sondern gleich eine ganze Reihe von Detektiven dazu veranlasst, die Ermittlungen aufzunehmen. Natürlich fällt der Verdacht schnell auf Harriet und Henry, doch schließlich verstrickt sich die Lady Rustonbury in verräterische Lügengeschichten über den Verlust ihres Mannes. Ein gelungenes Stück, das alle Zutaten für ein gute Detektivkomödie aufweist.

Theater AG Bild 1

Nicht ganz unschuldig, aber auch nicht die gesuchten Mörder. Harriet und Henry werden von Sherlock Holmes und Dr. Watson festgenommen (Niko Bagavac, Maximilian Gäch, Dino Pelaic, Emma Dittrich v.l.).

 

In der zweiten Hälfte des Abends findet sich das Publikum schließlich im Märchenhausen der Neuzeit wieder. In „Schneewittchen 2017" beauftragt die böse Stiefmutter (brilliant biestig gespielt von Emelie Carapacchio, deren Lachen einem eisige Schauer über den Rücken jagt) ihren Freund und Diener damit, Schneewittchen verschwinden zu lassen, da sie, trotz des Einsatzes ihres Schönheitschirurgen, bei „Märchenhausens next Topmodel" keine Chance gegen das hübsche Mädchen hat. Da der Diener Mitleid mit der jungen Frau hat, lässt er sie am Leben und Schneewittchen kommt bei den sieben Zwergen unter. So weit so klassisch. Doch zu ihrer Rettung ist das emanzipierte Schneewittchen 2017 nicht länger auf den Prinzen angewiesen. Sie selbst ist schlau genug, den, zwar gentechnikfreien, aber dennoch vergifteten Apfel nicht zu essen, und so kann ihr die Stiefmutter nicht mehr anhaben, als sie mit einer Ausgabe des „Playzwergs" in Ohnmacht zu versetzen. Der Prinz taucht natürlich trotzdem auf und kommt ziemlich ins Stottern, als Schneewittchen ihn auf einer Party zum Tanz auffordert.

Theater AG Bild 2

Große Trauer um Schneewittchen (Ines Riedelsheimer), die zum Glück nur so tut, als wäre sie tot.


In beiden Stücken bestechen die jungen Darsteller aus der 6. bis 8. Jahrgangsstufe mit viel schauspielerischem Talent, mit dem dem sie den liebevoll gestalteten Charakteren mit viel Witz Leben einhauchen. Das Publikum genoss einen kurzweiligen Abend, an dem es eine Menge zu lachen gab.

 

Für sie berichtete Marcella Müller