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Jesus Christ Superstar: Cantilena Chor und Crash Band begeistern das Publikum in der vollen St. Nikolaus Kirche

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 06. April 2017

Die Resonanz ist gewaltig. Immer wieder wird sie in den Tagen nach der Aufführung von „Jesus Christ Superstar" auf der Straße von Menschen angesprochen, die ihr berichten, wie sehr sie das Stück bewegt habe. Zwar kamen schon in den Wochen vor dem Auftritt immer wieder Anfragen nach Platzreservierungen, doch damit, dass am Ende wirklich so viele kommen würden, hatte wohl niemand gerechnet. Etwa 500 bis 600 Besucher wollten sich die Rockoper nicht entgehen lassen und drängten am Abend des 1. Aprils in die St. Nikolaus Kirche, die eigentlich nur für 400 Personen ausgelegt ist. Aber auch für alle, die keinen Sitzplatz mehr fanden, lohnte es sich zu bleiben, denn was dem Cantilena Chor und der Crash Band der Musikschule Herrsching an diesem Abend gelingt ist wirklich beeindruckend.

Auf die Idee, die bekannte Oper von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice aus dem Jahr 1971 als Oratorium zu inszenieren, brachte Elisabeth Schmidt ein befreundeter Komponist, der die Lieder des Stücks ebenfalls für den Chor arrangiert hatte. Während seine Leiterin sofort von der Idee begeistert war, stieß der Vorschlag bei den anderen Mitgliedern des Cantilena Chors vorerst auf wenig Gegenliebe. Auch als die Gruppe schließlich gemeinsam eine Aufführung des Stücks im Deutschen Theater besuchte, blieb zunächst die Skepsis, ob das komplexe Projekt gelingen könne. Nach und nach wuchs bei dem fünfzigköpfigen Chor jedoch die Begeisterung und schließlich waren alle mit Herzblut bei der Sache.
Auch bei Pfarrer Simon Rapp, der selbst ein großer Musicalfan ist, rennt Elisabeth Schmidt sofort offene Türen ein, was bei weitem nicht selbstverständlich ist, bedenkt man, dass das Stück in den siebziger Jahren, unter anderem durch die Darstellung der Beziehung Maria Magdalenas zu Jesus, in Kirchenkreisen durchaus umstritten war. Doch die siebziger Jahre liegen weit zurück, wie Rapp selbst feststellt, und so beteiligt sich der Pfarrer auf Wunsch des Chors sogar an der Aufführung, indem er am Ende zum Mikrofon greift und mit einigen Worten dabei hilft, den zunächst etwas verwirrenden Finalsong richtig einzuordnen und einen Anschluss an die Moderne zu knüpfen. Aber auch sonst stößt die Idee der Inszenierung der Rockoper von vornherein überall auf Begeisterung. So bietet die Herrschinger Bühnenbildnerin Claudia Weinhart unentgeltlich ihre Hilfe an, als sie von dem Projekt hört, und trägt mit ihrem Ideenreichtum und viel Liebe zum Detail bedeutend zur szenischen Umsetzung des Stücks bei. Auch die Crash Band, die wie der Chor unter dem Dach der Musikschule Herrsching beheimatet ist, erklärt sich sofort begeistert dazu bereit, diesen zu unterstützen und wird schließlich durch den Vorstand der Herrschinger Blaskapelle, Bruno Türk, komplettiert, der als Saxophonist zur Perfektionierung der musikalischen Untermalung beiträgt.

 

„Jesus Christ Superstar" stellt den Cantilena Chor vor eine ganz neue Herausforderung, die er jedoch mit Bravour meistert. Elisabeth Schmidt ist deutlich anzuhören, wie begeistert sie selbst von ihren Sängern ist, die im Laufe der Proben, die im September begannen, immer besser wurden und schließlich förmlich über sich selbst hinauswuchsen. Vor allem die Solisten zeigten beeindruckende Leistungen, obwohl sie bei einigen quasi „die Katze im Sack" gekauft habe, wie sie schmunzelnd feststellt. Zwar habe sie gewusst, dass es sich bei allem um gute Sänger handelte, aber wie sehr sie sich in ihre Rollen hineinversetzen und an ihnen wachsen würden, hatte sie doch selbst verblüfft.
Und tatsächlich merkt man bei der Vorstellung wenig davon, dass es sich bei den Sängern und Musikern mit wenigen Ausnahmen um Laien handelt. Ganz besonders beeindruckt das Publikum neben den anderen beiden Hauptrollen, Dennis Pfaff als Judas und Anton Leitner als Jesus, die gerade einmal siebzehnjährige Abiturientin Apollonia Schmidt, die als Maria Magdalena mit glockenheller und sicherer Stimme für Gänsehaut sorgt.

 

Da die Rockoper mit so viel Begeisterung aufgenommen wurde und der Andrang so groß war, dass wohl einige die Kirche wieder verlassen mussten, regte Pfarrer Simon Rapp bereits an, das Stück im nächsten Jahr erneut aufzuführen. Dies würde sicherlich nicht nur jene freuen, die es in diesem Jahr nicht geschafft hatten, die gelungene Inszenierung zu genießen.

 

Für Sie berichtete Marcella Müller

 

Bild Jesus Christ Superstar

Ein gelungene Vorstellung: Anton Leitner (mitte links) und Dennis Pfaff (mitte rechts) begeistern das Publikum als Jesus und Judas