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„Gestrichener“ Klassikgenuss im Kurparkschlösschen: Das Netherland String Trio spielte Werke aus der Wiener Klassik

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 18. Januar 2017

Er habe das Glück, das viele andere Impresarien nicht haben, betonte Prof. Rudolf Winter, der dieses Konzert für den Kulturverein auf die Beine gestellt hat. Das Glück nämlich, das er den Künstlern zwar Gagen bezahlen muss, aber keine Raummiete anfällt und Kulturverein und Gemeinde sich jeweils zur Hälfte an den Kosten beteiligen. So kann er namhafte Künstler ins Kurparkschloss einladen, durch freiwillige Spenden statt hohen Eintrittsgeldern Jedermann den Eintritt ermöglichen und auch mal Programme anbieten, die nicht nur „mainstream" sind. Und auf diese Weise kamen an diesem Abend viele Klassikbegeisterte in den Genuss eines hochklassigen Konzertes durch das Netherland String Trio.

Rebecca Martin, Violine, Christian Friedrich, Viola und Luis Andrade, Cello, sind es gewohnt in den großen Konzertsälen Europas zu spielen. Da nimmt sich das Kaminzimmer im Schlösschen doch eher klein dagegen aus und die drei Musiker mussten sich zu Beginn des Konzerts erst mal darauf einstellen. Kraftvoll, technisch brillant und mit viel Gespür für die Musik legten sie los und überraschten das Publikum ein wenig mit diesem geballten Klangvolumen. Doch beide Seiten gewöhnten sich schnell aneinander und so stand nichts mehr entgegen, diesen drei Musikern durch das abwechslungsreiche Programm zu folgen.
Los ging es mit dem italienischen Konzert von Bach, den die Drei mit einer Leidenschaft interpretierten, die dem Komponisten selber bestimmt gefallen hätte. Besonders bei dem schwungvollen Allegro hielt Rebecca Martin und Christian Friedrich nichts mehr auf ihren Stühlen, mit so viel Energie und Schwung griffen sie zu ihren Bögen. Zu einem Höhepunkt vor der Pause aber wurde der Haydn. Wie eine Geschichte ließen die Musiker das Allegretto erscheinen, eine Frage- und Antwortspiel zwischen Violine/Viola und Cello. Lang anhaltender Applaus begleitete sie in die Pause.

Streichtrio 1

Das Netherland Trio mit Rebecca Martin, Luis Andrade und Christian Friedrich begeisterte das Publikum im Kurparkschlösschen mit ihrer Virtuosität und Begeisterung für ihre Musik

Bei einem Konzert zur Stilrichtung der Wiener Klassik (1770-1830), durfte auch ein Beethoven natürlich nicht fehlen. Nach der Pause widmeten sich die Streicher einer Serenade dieses Komponisten, die ein markantes Stilmerkmal deutlich ausdrückte: gerne baute der Komponist überraschende Wendungen in seine Stücke ein, die von den Interpreten viel Virtuosität und Einfühlungsvermögen verlangen. Rebecca Martin, Christian Friedrich und Luis Andrade meisterten diese Herausforderung perfekt und boten dem Publikum an diesem Nachmittag ein wunderschönes Programm und eine Begeisterung für diese Musik, die das Publikum mitnahm. Ohne Zugabe ließ man sie nicht nach Hause gehen.

Es berichtete für Sie Barbara Geiling