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Die Weltliteratur zu Gast in Herrsching: Mit Leonardo Padura holt der Kulturverein einen international bekannten Schriftsteller ins Kurparkschlösschen

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 25. Juli 2016

Er zählt zu den meist gelesenen kubanischen Autoren. Sein Werk umfasst alle literarischen Genres, die man sich nur vorstellen kann. Nationale und internationale Preise zieren den Lebenslauf dieses engagierten Journalisten und Autors, der nie den roten Faden verloren hat: das Lebensgefühl und die Erfahrungswelten Kubas widerzuspiegeln, abseits von den gängigen Klischees. Ob Kriminalroman, Reportagen oder literaturwissenschaftliche Studie: es sind die so bildhaft beschriebenen Figuren und die besondere politische Situation Kubas, die seine Werke charakterisieren. In Herrsching stellte er sein neuesten Werk „Neun Nächte mit Violeta" vor, das von der Liebe eines Studenten zu einer Boléro-Sängerin handelt – und natürlich von dem Leben in Kuba zu einer bewusst gewählten Zeitspanne. Dem Leben in den Zeiten der Revolution.

Als „Glücksfall" bezeichnete Dr. Thomas Kraft bei der Begrüßung die Tatsache, dass es dem Kulturverein gelungen sei, einen Schriftsteller solchen Formates nach Herrsching zu holen. Für die Moderation und als Dolmetscher hatte man Constanze Álvarez gewonnen, die sehr lebendig und informiert durch den Abend führte. Das bis auf den letzten Platz belegte Kaminzimmer des Kurparkschlösschens erlebte hier einen Abend, der einem diese karibische Insel näher brachte und neugierig auf mehrt machte.
Kuba, ein Land das diese Tage im Fokus der Ereignisse steht. Gespräche mit den Amerikanern sind wieder ins Laufen gekommen. Barack Obama war dort, als erster amerikanischer Präsident seit 1928 – wie auch der Papst, die Rolling Stones, Karl Lagerfeld und eine Rekordzahl an Touristen. Das Gefühl, es wird demnächst etwas in diesem Land passieren scheint viele Menschen dorthin zu locken und genau dieses Gefühl sei es auch, so die Moderatorin, welches sich immer in Paduras Büchern widerspiegle.

Kuba Lesung 1

Mit den ersten Klängen eines Boléros merkte man die Liebe des Schriftstellers Leonardo Padura zu seiner Heimat, die er an diesem Abend gemeinsam mit Thomas Kraft und Constanze Álvarez den Gästen sehr nahebrachte

„Meine Literatur beginnt in der Revolution und endet auch dort" meint der Autor und betont, dass auch seinen Krimis immer der Bezug zur Realität innewohnt. International bekannt geworden ist er mit seinem „Havanna-Quartett". Eine Krimireihe, in der er die Stimmung einfängt, als Kuba unter dem Wegbrechen der engen Beziehungen zum Ostblock in eine Krise schlittert.
Kuba habe lange in einer Blase gelebt. Unter dem Mantel der Sowjetunion als „fiktives Land" und in der wirtschaftlichen Krise danach. Zwar hätten die sozialen Spannungen etwas nachgelassen, aber die Veränderungen, auf die so viele Menschen hoffen, seien noch längst nicht eingetreten. Er sprach die Rolle der USA in diesem Zusammenhang an, deren Handelsembargo zwar etwas gelockert, aber noch immer nicht aufgehoben sei. Nach wie vor würden zu viele Kubaner auswandern und hier insbesondere die Jungen mit guter Ausbildung. Aber in einem Land, in dem viele Menschen nicht von ihren Gehältern leben können und das Stehlen als Überlebensmaßnahme dazugehöre, sei dies nachvollziehbar. Kuba ist ein Land das soziale und wirtschaftliche Veränderungen brauche und das habe mittlerweile auch die Regierung eingesehen. Aber gleichsam sei dieser Prozess der Veränderung so langsam, das man müde vom langen Warten sei.
Von der schwierigen wirtschaftlichen Lage sind besonders auch die Künstler betroffen. In den Zeiten der Revolution wurden sie von der Regierung auf die Kaffeeplantagen geschickt um endlich etwas „sinnvolles" zu tun. „Da gab es dann in Kuba weder guten Kaffee noch Kunst" meinte Padura ironisch und nach wie vor hätten es z.B. Autoren sehr schwer, von ihren Büchern zu leben. „Von dem Erlös eines Romans kann sich ein Schriftsteller nicht mal einen Computer kaufen" erklärt er die Relationen der Gehälter.

Kuba Lesung 3

Viele Autogramme musste Leonardo Padura im Anschluss an die Lesung im Kurparkschlösschen geben

Und dann wird auch wirklich noch gelesen in dieser Lesung. Leonardo Padura in seiner tiefen, etwas melancholischen Stimme auf Spanisch und Dr. Thomas Kraft auf Deutsch. Schon nach wenigen Textpassagen seines jüngsten Romans „Neun Nächte mit Violeta" fällt die eindrückliche Sprache auf, mit der der Kubaner seine Protagonisten und ihre Umgebung beschreibt. Die Stimmung wird greifbar und als Constanze Álvarez dann noch die Melodie eines Boléros einspielt, wird offensichtlich, warum Leonardo Padura nicht auswandern wird, obwohl ihm die spanische Staatsbürgerschaft zugesprochen wurde: „ein Schriftsteller gehört in die Beziehungsgeflechte seiner Kultur und das Leben im Exil ist für ihn tragisch" Er ist ein ambivalenter Schriftsteller, der sich nicht in eine Kategorie pressen lassen möchte. Aber er ist Kubaner „und in den schlimmsten Jahren habe ich mich einfach eingesperrt, um hier nicht verrückt zu werden."

Es berichtete für Sie Barbara Geiling