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Szenen aus dem (Un)-Ruhestand: Christian Ude begeistert mit seinem „Rentnerprogramm“ das ausverkaufte Kurparkschlösschen

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 19. April 2016

Diesmal hätte das „Schlösschen" durchaus ein „Schloss" sein können: viel zu schnell waren die verfügbaren Plätze im Kaminzimmer ausverkauft und so manch einer wurde damit um den Genuss eines rundum vergnüglichen Abends gebracht. Christian Ude, der langjährige Bürgermeister von München plauderte und las von seiner Zeit „danach". Von Stammtischen und sportiven Einlagen, von Beziehungs-Geschäften der etwas anderen Art, von der Familie Ude und von noch vielem mehr. Und warum dies letztendlich so gut war? Der „Altbürgermeister" kann einfach reden: witzig, pointiert, selbstironisch und perfekt artikuliert.

Eigentlich wäre alleine dieser Begriff „Altbürgermeister" Grund genug, diesen Beruf gar nicht erst anzutreten. Da beschliesst der Stadtrat eine Formalbeleidigung als Ehrentitel zu verleihen und weckt damit doch nur Assoziationen an Alteisen oder Schrott. Und dann gar die Frage vieler Journalisten, ob er nicht seinen Beruf vermissen würde? Vermissen? Die Anwesenheit bei unzähligen Bürgerversammlungen in neongetränkten Turnhallen vermissen, wenn doch draußen Biergartenwetter ist! Da brauche er nur das einzige Gedicht zitieren, das er je geschafft hätte, auswendig zu lernen: „Des Bürgermeisters täglich Brot - ist und bleibt der Hundekot". „Nein" beruhigte er alle Noch-Berufstätigen im Raum: „Die wahre Lebensqualität fängt erst im Ruhestand an!"

Ude Kabarett 3

Christian Ude der „Altbürgermeister" aus München zu Gast im Kurparkschlösschen: ein äußerst vergnüglicher Abend und hoffnungsvoller Ausblick auf die Zeit im Ruhestand

Und was sich da nicht alles an Möglichkeiten auftue. Zum einen natürlich die Stammtische, auf denen das Stichwort „Prostata" reiche, um einen abendfüllenden Gesprächsstoff zu liefern. Dann die sportlichen Exzesse vieler Rentner, die er jedoch auf das Wassertreten im wohltemperierten Thermalbeckens beschränke. Was sonst noch möglich sei für Ruheständler aus dem „abgehobenen" Dienst? Fraktionsvorsitzender, Minister und natürlich Politikberater. Ja, er auch! Und auch über Beziehungen an diesen Job gekommen. Was nun folgte, war eine ca. halbstündige Erzählung über die Geschichte, wie er zum Berater der neuen Messe in Istanbul wurde. Sie entführte die Zuhörer über eine abenteuerliche Reise an die Türkisch/Syrische Grenze. Erzählte von Wölfen, die nicht da waren, aber dafür gemeingefährliche Hofhunde. Von einer Familie in Armut, Straßenkehrern in München um dann irgendwann den Bogen zum Bürgermeister in Istanbul zu schlagen. Verwirrend und langweilig? Ganz bestimmt nicht!
Aber auch Anekdoten aus dem Berufsleben werden erzählt. Selbstironisch schilderte er Szenen aus Gesprächen und von Entscheidungen, die nie getroffen wurden. So könne der „unterbelichtete Norden" hier viel von den Bayern in Punkto Sparsamkeit lernen. Kostenrahmen nicht zu sprengen ginge schließlich ganz einfach, wenn es nie einen Baubeginn gibt. Keine 4. Startbahn und kein Konzertsaal – da geht München mit guten Beispielen voran! Und damit spart man sich auch gleich den Gang durch diese vielen Instanzen, die das Ausgeben solcher Gelder bedeute. Viel Gelächter kommt auf, als Ude ein entsprechendes Kapitel über den Antrag zu einem Schulerweiterungsbaus aus seinem Buch „Chefsache" vorliest – und das ein wenig an den nicht eben schnellen Fortgang des Herrschinger Gymnasiums erinnert.
Der „Altbürgermeister" schließt das Programm mit Erzählungen von seinem Elternhaus. Liebevolle Erinnerungen hier an seine Mutter, die in ihrer direkten und freimütigen Art eine ganz besondere Persönlichkeit gewesen sein muss. Und die es bestimmt zuweilen nicht ganz einfach hatte mit ihrem Sohn Christian, der wohl schon in der Schule selten ein Blatt vor den Mund genommen hat. Mit diesem Kapitel beschließt Ude diesen Abend ohne Zugabe. Das Rentnerdasein nimmt ihn mit einem randvollen Terminkalender ziemlich in Anspruch!

Es berichtete für Sie Barbara Geiling