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Per Daktylus zum Wortakrobaten: Der „Pop-Poetry Pionier“ Bas Böttcher begeistert im Kurparkschlösschen

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 16. März 2016

Wenn Bas Böttcher einmal in Fahrt kommt, gibt es scheinbar kein halten mehr. Seine Wortspielereien „einfach wie Lego, ein Satzbausatz effektiv wie Steno" – raubten einem zuweilen den Atem und begeisterten doch durch die Macht der Sprache. Gedichte als coole Raps oder doch eher der Daktylus ein verkappter Walzerklang? Als „Handlungsreisenden in Sachen Poetry" bezeichnete Dr. Thomas Kraft ihn bei der Begrüßung, als einen, der mittlerweile Vorbild für viele Nachwuchskünstler geworden sei. Er geht in Schulen und auf Festivals; er tourt im Ausland und veröffentlicht Bücher über die Kunst des Spoken Poetry – und kommt ins Kurparkschlösschen und begeistert hier auch das etwas „erfahrene", sprich ältere Publikum!

Da wird aus Ober plus Affe Direktor
Da werden Katzen durch Auge Reflektor
Der Fuchs wird durch Schwanz eine Säge
Der Tiger durch Balm eine Creme


Wer von uns musste nicht einmal den Erlkönig auswendig lernen – und kam dabei noch deutlich besser weg, als solche, die es gleich mit der Glocke von Friedrich Schiller aufnehmen mussten. Ein hartes Stück Arbeit und dann gleich einen ganzen Abend füllen? Gedichte in der Schule vermitteln häufig den Beigeschmack des Langweiligen und doch füllt Böttcher regelmäßig große Hallen mit Jugendlichen. Eine Dichterlesung als cooles Event? „Noch können sie fliehen" grinst der sympathische Wahl-Berliner, oder doch lieber mit einem Glas Wein in der Hand eintauchen in die Welt der Wortakrobatik!

Kurpark Boettcher 1

Bas Böttcher, einer der Mitbegründer der deutschen Spoken-Word-Szene, begeisterte das gutbesetzte Kurparkschlösschen mit seiner famosen Wortakrobatik


In Herrsching war er mit seinem Programm „Die verkuppelten Wörter" unterwegs, in dem er sich auf die Suche nach Doppeldeutigkeiten begab. Man kann diese natürlich auch Huckepacktermini oder Sprachdoppelwhooper nennen und kommt ins Staunen, wie viele es davon zu geben scheint.
Er spielt mit Wörtern, beleuchtet sie, dreht sie herum und verbindet sie auf ganz spezielle Weise zu seinen Gedichten. Wussten Sie z.B., dass sich in dem Wort Gesellschaft der Esel und das Schaf verbergen? Auch wenn er den Klang der deutschen Sprache mit Ramstein vergleicht, klingt sie durch die ganz spezielle Betonung immer ein bisschen wie Musik. Böttcher spielte früher in einer Band und verwandelt jetzt Texte in gesprochenen Melodien. Steht denn nun der Klang oder die Bedeutung im Vordergrund? Ein Liebesgedicht auf Mandarin, das chinesisch klingt, ohne es zu sein: die Sprachmelodie geht eigene Wege und nach dem Sinn der Worte fragt am Ende niemand mehr. Doch auch kritische Töne etwa über die Welt des Konsums hört man heraus: „Häng deine Träume an die Funknetze der Telekom, häng deine Träume an Goldschätze und Pokémon. (...) Dran glauben, Kram kaufen! Augen schließen! Den Schwindel genießen!"

Ein rundum gelungener, anspruchsvoller wie auch lustiger Abend mit einem Wortkünstler der Extraklasse. Das Publikum im Kurparkschlösschen war begeistert und ließ Bas Böttcher erst nach einigen Zugaben von der Bühne. Noch lange nahm er sich anschließend Zeit für Gespräche und konnte die Sache schließlich noch auf den Punkt bringen:
Wenn der G-Punkt zum Komm-Punkt zum wunden Punkt wird (...)
dann kommt der Punkt, da gibt nur Unsinn nur Sinn
und der springende Punkt legt ne Punktlandung hin

Es berichtete für Sie Barbara Geiling