lesen-sie-auch-andere-ortszeitungen Oberdinger Kurier Logo echinger-echo neufahrner-echo haarer-echo mooskurier

Faltsch Wagoni gibt ein Heimspiel im Kurparkschlösschen - Mit ihrem furiosen Sprachgefecht begeistern die beiden Herrschinger das ausverkaufte Kaminzimmer

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 16. Dezember 2015

Hi! Schon High? Nein, aber auch nicht der Hai, obwohl doch dieses Programm sich ganz dem Wasser verschrieben hat. Wenn das Ehepaar Prosperi ein Wort in den Mund nimmt, scheint es dort irgendwie ein Eigenleben zu entwickeln, das nicht selten die abstrusesten Formen annimmt. Rhythmuspoeten werden sie genannt und dem müsste noch die Bezeichnung Wortakrobaten hinzugefügt werden. Wie Artisten jonglieren sie mit der deutschen Sprache, vermählen sie mit guter Musik und sind zusammen einfach ein derart gutes und eingespieltes Team, das die Zuschauer sie am Ende nur nach vielen Zugaben gehen lässt.

2013 hatte Faltsch Wagoni seinen ersten Auftritt im Kurparkschlösschen anlässlich der Wiedereröffnung nach der umfassenden Brandschutzsanierung. Inzwischen haben sie sich hier eine große „Fangemeinde" zugelegt, war doch dieser Termin schnell ausverkauft. „Der Damenwal" heißt ihr aktuelles Programm – wobei natürlich der Artikel schon mal für Diskussionen sorgt. Eigentlich doch wohl eher „die" Damenwal, weil doch ganz klar die Dame der wichtigere Namensbestandteil ist! Und schon beginnt ein Schlagabtausch zwischen Silvana und Thomas Prosperi, in dem die Sätze wie Ping Pong Bälle hin und her fliegen. Aber ob nun der Damenwal oder die Damenwal und um was es sich dabei eigentlich handelt sei dahingestellt. Denn eigentlich geht es in dem Programm ja um das Wasser. Wasser, die Mutter aller WC's, dem Feind aller Cabrios – und in reinster Reinheit doch wohl ein Bier! Die Frage, ob Wasser eigentlich schwimmen kann, treibt sie um – und wenn: dann wohl doch im eigenen Saft? Gefühle auf jeden Fall hat es, denn wer kennt nicht das aufgewühlte Meer.
„Du Dörrpflaume unter den Poeten" hört er ob seiner Dichtkunst nur, der doch kein Wasser trüben könne. „Pass mal auf, wenn ich mich wasche!" kommt prompt die Antwort und dass es kein brennendes Wasser gibt? Wohl noch nie etwas von Brandung gehört!

Faltsch Kultur 1

Eine Ode über die Reise eines Entenwurms im Ohr. Ungewöhnlich? Nicht für Faltsch Wagoni in ihrem aktuellen Programm „der Damenwal"!


Zuweilen beschleicht einen das Gefühl, viele Wörter einfach zu achtlos in den Mund zu nehmen. Täglich benutzt man die deutsche Sprache und erfährt doch gerade neu, welche Vielfalt doch eigentlich hinter jedem einzelnen Wort stecken kann. Und bevor es vielleicht zu viel mit den sprühenden Wortjonglagen wird, schaltet das Paar auch immer wieder die Musik dazwischen. Mit Cajon, Gitarre und ihren ausdrucksstarken Stimmen lassen sie die Zuhörer kurz entspannen und genießen – bis man merkt, das auch hier die Wortspielereien unbeirrt ihren Lauf nehmen. Wenn Silvana eine leere Plastikflasche als Rhythmusinstrument hervorholt, so ist das bei ihr halt eine Leergut-Percussion. Rhythmisch, Poetisch, Stimmgewaltig und einfach spielerisch? Zumeist ja, doch zuweilen mischen sich auch kritische Töne in die Unterhaltung. Das von Nestlé in die Kapseln gepresste Trockenwasser vom Mars ruft neben Gelächter auch Nachdenklichkeit hervor. Und dass die Firma „mit dem weißen Westlé" auch bald die Lufthoheit anstrebt, sei vermutlich nur eine Frage der Zeit. Aber da könnte schließlich auch Alexander Dobrindt mit auf den Zug aufspringen und über eine Sonnenmaut nachdenken.
Fast ein bisschen atemlos ist man am Ende der Vorstellung und nicht wenige greifen zu den verkäuflichen CD's. Nochmal in Ruhe mit dem Ehepaar Prosperi in das Wasser eintauchen und darüber nachdenken, was der/die Damenwal denn wirklich ist. Ein Bademeister oder Superwoman, die aus der Kreuzung des kaukasischen Hammerwerfers und eines Hammerhais hervorgegangen ist ... nur eines ist schon jetzt ganz klar: er/sie ist ein erklärter Freund(in) vom Wasser(lachen)!


Es berichtete für Sie Barbara Geiling