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Der Kulturverein lädt zu einer Krimilesung der besonderen Art: Fish‘n Crime mit Sabine Thomas und Marvin Entholt entführte die Gäste vom Ammersee bis nach Ostfriesland

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 24. Juni 2015

(Text/Foto: bg) Wenn sich die quirlige Krimi-Autorin und Herausgeberin Sabine Thomas ankündigt, dann ist in der Regel für ein volles Haus gesorgt. Und so auch an diesem Abend im Kurparkschlösschen, in dessen Kaminzimmer viele Gäste bei leckeren Fischsemmeln aus Matos Fischladen und fast echtem Ostfriesland-Bier gespannt auf einen unterhaltsamen Abend warteten. Das Lesepult in (blut-!) rotes Licht gehüllt und mit einem Martinshorn darauf gab schon eindeutige Hinweise auf den Inhalt der kommenden Geschichten. Während Sabine Thomas im Folgenden bitterböse Kurzgeschichten aus dem bayrischen Voralpenland präsentierte, lockte Marvin Entholt die Zuhörer weit hoch in den Norden, zu den eher stoisch anmutenden Friesen.

 

 

„Wie schön, dass heute Sommeranfang ist und sich die meisten von euch in Schal und Mantel hierhergewagt haben" begrüßte Sabine Thomas die zahlreichen Gäste. „Ab morgen werden die Tage wieder kürzer" und wegen der herrschenden Temperaturen hätte man mit dem Gedanken gespielt, das Kaminfeuer zu entzünden. „Aber wir wollen ja nicht pessimistisch sein" munterte sie dennoch auf – und was ist gemütlicher als sich bei Kälte mit einem guten Buch in eine warme Decke zu kuscheln!

Krimilesung 1

Fish'n Crime: Marvin Entholt, Mato und Sabine Thomas bewiesen auf ihrer Lesung im Kurparkschlösschen, dass Kulinarik und Spannung gut zueinander passt!


Auf die Zuhörer wartete an diesem Abend eine „brisante" Mischung an Krimis aus den beiden Gegenpolen Deutschlands, Ostfriesland und Bayern. Während sich die Herrschinger Autorin auf Geschichten rund um die bayrischen Seen konzentriert, spielen die beiden Bücher Marvin Entholts im tiefsten Ostfriesland, wo den Protagonisten kaum mehr als ein „Moin" über die Lippen kommt. Nicht das den Bayern ein besserer Ruf vorauseilt, doch spielen in den Geschichten der Bände „Mordsgelüste" oder „Tatort Ammersee" nicht immer bayrische Urgesteine die Hauptrolle. So jagd in der Kurzgeschichte „Mörderische Leckerbissen" die verheiratete Petra ihrer Traumfigur passend zum bereits erstandenen Kleid und dem dazu gehörigen Traummann hinterher. Mit Hilfe einer Personal-Trainerin und Salat ohne Dressing will sie es der gertenschlanken Kaiserin Sissi gleichtun, um so ihren ehemaligen Klassenschwarm Oliver, seines Zeichens Schönheitschirurg am Starnberger See, für sich zu gewinnen. Auch die Gewaltmärsche rund um die Seen, vorbei an den diversen Biergärten und: Matos Fischladen – nimmt sie fast klaglos in Kauf. Doch als sie schließlich durch einen Zufall bemerkt, dass Trainerin und Jugendschwarm etwas miteinander haben, brennen alle Sicherungen durch. Ein explosiver Lampenwurf beendet das Date – und Leben – der beiden ein für alle Mal.
Eine zweite Geschichte über „Pascha", die unstete Katze, erzählte Sabine Thomas. Sein Verschwinden löst eine Verkettung unliebsamer Ereignisse aus, in deren Folge die Hauptperson letztendlich in Polizeigewahrsam kommt. Nur durch eine „Cat-Cam", die brisante Einzelheiten aus dem Leben der ungeliebten Nachbarn aufnimmt, kommt schließlich alles wieder in Lot – oder doch nicht? Fortsetzung folgt!

Krimilesung 3

Gute Laune, spannende Geschichten und das bei ausgesuchter Verköstigung – die Krimilesung mit Sabine Thomas und Marvin Entholt befriedigte gleich mehrere Sinne


Nach der Pause übergab die Autorin an Marvin Entholt, der vor seinen beiden Krimis sehr erfolgreich als Regisseur und Drehbuchautor tätig war. Es sei „großartig", stattdessen mal ein Buch zu schreiben, wo einem keiner andauernd reinquatscht und nicht ständig der finanzielle Druck im Nacken säße. Sein erstes Werk hieß „Friesisch Roulette", dessen Kommissar Beckmann in „Schwarze Küken" eine Fortsetzung erleben durfte. Ein Verschwundener bringt das ansonsten so geregelte Leben in der friesischen Einöd durcheinander, in dessen Folge der Kommissar bald an der Stur- und Wortkargheit der Dorfbewohner verzweifelt. Nur durch die Einnahme diverser Klarer gewinnt er langsam ihr Vertrauen und tastet sich in seinen Ermittlungen voran. Alleine schon der perfekt imitierte Friesen-Slang, mit dem Entholt seine Figuren sprechen lässt, ist ein Kommen wert. Mit feiner Sprache und sehr bildhaften Beschreibungen lässt er die Welt im hohen Norden lebendig werden und schafft es, ganz eigentümliche Stimmungen einzufangen. Man meint, die Örtlichkeiten direkt vor Auge zu haben und vielleicht kommt hier der filmische Hintergrund des Autors zu Tage.
Eine Lesung, die Spaß gemacht hat und auf der zwei sehr unterschiedliche Arten von Kriminalgeschichten vorgestellt wurden. Ob das nun am Nord-Süd-Gefälle liegt, oder einfach an unterschiedlichen Autoren, sei dahingestellt.