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„Hart und Zart“ - Eine neue Ausstellung verschönert das Haus der Bayrischen Landwirtschaft - Skulpturen und Bilder aus Naturmaterialien schaffen eigentümliche Kontraste

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 15. Juni 2015

(Text/Foto: bg) Sie arbeiten beide mit Naturmaterialien und kommen auch beide aus Nürnberg – doch hier endet wohl die Gemeinsamkeit der Künstlerinnen Claudia Endres und Katja Wunderling. Während sich die eine auf Kernbohrskulpturen spezialisiert hat und aus seltenen blauen Steinen ganz eigene Figuren schafft, fügt Katja Wunderling aus kleinsten Fundstücken der Natur sehr zarte Bilder zusammen, die den Betrachter lange in den Bann ziehen. Und gemeinsam machen sie aus den Gängen und dem Hof des Hauses der Bayrischen Landwirtschaft ein gelungenes Künstlerforum.

„Macaubas" und „Bahia Azul" – schon die Steine, die Claudia Endres für ihre Skulpturen verwendet haben einen geheimnisvollen Namen. Bei beiden Gesteinsformen handelt es sich um ein blaues Granit, bzw. Quarzit, das fast ausschließlich in Brasilien vorkommt. Durch Aushöhlung und Bohrungen im Inneren des Steins gewinnt sie Material, das wiederum am Äußeren der Skulptur seinen neuen Platz findet. Es entstehen Werke in spannenden Formen, die dem Betrachter eine Vielzahl von Interpretationen ermöglicht. Jede Seite hat sein eigenes Gesicht und lockt einen dazu, die Form zu entschlüsseln. Eine Skulptur im Hof aber steht ohne „Kopf" da – dieser liegt daneben auf dem Boden und erinnert an den Vandalismus, der im Mai verschiedene Kunstwerke der „Skulpturen im Park" betraf und dem auch eine Figur von Claudia Endres betraf. Der Künstlerin aber lag ausdrücklich daran, sie trotzdem hier auszustellen um damit ein Mahnmal gegen diese unsinnige Zerstörungsaktion zu setzen.
Wenn ihre Skulpturen nicht gerade in Herrsching oder auf anderen Ausstellungen unterwegs sind, stehen sie im heimischen Nürnberg, wo ein ganz besonderes „Atelier" auf die Besucher wartet: vor einigen Jahren erbte sie einen alten Bierkeller, dessen tief in die Erde gehauenen Gewölbe einen ganz eigenen Raum für ihre Kunstwerke geben. Brasilien meets Franken – aber bis 26. Juli glücklicherweise auch das oberbayrische Herrsching!

Vernissage Bauernschule 1

Kernbohrskulpturen und mit Naturmaterialien gezeichnete Bilder sowie Papierarbeiten zeigen die beiden Nürnberger Künstlerinnen, Claudia Endres und Katja Wunderling im Haus der Bayrischen Landwirtschaft

Für Steinarbeiten sind die Werke von Claudia Endres relativ leicht, da sie alle ausgehöhlt sind – aber eine ganz andere Leichtigkeit zeigen die Bilder von Katja Wunderling. Sie selber nennt ihre Werke Zeichnungen, obwohl kein Pinselstrich auf ihnen zu finden ist. Sie „zeichnet" mit kleinsten Naturmaterialien oder dem Messer, mit dem sonst Radierungen gestaltet werden. Die Radierung war auch das Fachgebiet, in dem sie in ihren Anfangsjahren vorwiegend gearbeitet hat. Doch irgendwann wurden ihr die dazu benötigten Materialien zu giftig und suchte sich ein neues Material, mit dem sie aber auf ähnliche Weise arbeiten konnte. Ihr zu eigen ist wohl eine ausgeprägte Experimentierfreude, die sich in ihren Arbeiten widerspiegelt. Transparentpapier, das wie Metall mit einem Messer getrieben wird und in mehreren Schichten eine eigene Formensprache bildet. Kunstwerke aus Packpapier, die in Form- und Farbgebung einfach besonders sind. Und schließlich die filigranen Bilder aus Samen, Tannennadeln, Misteln und was sonst die Natur noch an kleinen Werken hervorbringt. „Irgendwann habe ich mich getraut, meine Sammelwut auszuleben" meint Katja Wunderling dazu. Mit Hilfe einer Pinzette fügt sie die Kleinteile zu Bildern zusammen, die einerseits zerbrechlich wirken und trotzdem einen besonderen Ausdruck in sich bergen. Während andere bei dem „Zeichen" solcher Bilder vermutlich vor eine unlösbare Geduldsprobe gestellt würden, ist für sie der Entstehungsprozess ein unverzichtbarer Aspekt ihrer Arbeit, der ihr viel Freude bereitet. Als Künstlergärtnerin wurde sie u.a. bezeichnet, die ihre Fundstücke in immer neue Ordnungen bringt.

Vernissage Bauernschule 3

Zeichnungen der besonderen Art und Techniken, die man selten erlebt kennzeichnen die Werke von Katja Wunderling

Sie sei gespannt, zu welchen Deutungen ihre Fantasie den Besucher verleitet, meinte Theresa Hambückers bei der Begrüßung anlässlich der Vernissage dieser gelungenen Ausstellung. Das Haus der Bayrischen Landwirtschaft ist ein Haus für die Bildung und hier wolle man sich nicht nur auf landwirtschaftliche Themen beschränken. Wichtig sei es, die Neugier für andere Themen zu wecken und dazu gehört schließlich auch die Kunst in ihren vielfältigen Ausprägungen. Und so sucht eine Jury regelmäßig neue Künstler aus den Bewerbungen heraus. Die Arbeiten von Claudia Endres und Katja Wunderling sind noch bis einschließlich 26.Juli in der Rieder Straße 70 zu sehen.

Vernissage Bauernschule 2

Bohrungen aus dem Inneren der Skulptur, die außen wieder in die Figur eingegliedert werden und das Ganze in einer blauen Gesteinsfarbe, die an Urlaub, Sonne und Meer denken lässt