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Altenglische Gambenmusik im Kurparkschlösschen - Der Kulturverein präsentiert ein ungewöhnliches Klangerlebnis

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 20. Mai 2015

(Text/Foto: bg) Drei Gamben ohne Begleitinstrument und das „modernste" Stück aus dem Jahr 1700: Prof. Rudolf Winter ist inzwischen bekannt dafür, dass seine Konzertreihe nichts Alltägliches liefert, aber diese Kammermusik war schon etwas ganz besonderes. „I heard a voice from heaven" entführte die Zuhörer nach England in die Zeit zwischen 1520 und 1700, hinein in das höfische Leben, in der die Gambe bis Mitte des 18. Jahrhunderts eine wichtige Rolle spielte. Ein Programm mit absoluten Seltenheitswert, wie „es so noch nie gespielt wurde und so auch nicht mehr zu hören sein wird" meinte die Ensemble-Leiterin Claire Pottinger-Schmidt vergnügt.

Die Viola da Gamba (ital. „Viola" = Geige und „Gamba" = Bein) ist die Sammelbezeichnung einer Familie historischer Streichinstrumente. Der Name leitet sich von seiner Spielhaltung ab, da das Instrument zwischen den Beinen gehalten wird. Sie entstand etwa gleichzeitig wie die Violine aber während diese früher eher von den „Normalbürgern" auf Festen gespielt wurde, nahm die Gambe Einzug in das Leben am Hof. In England gewann das Instrument schnell große Beliebtheit und wurde erst Mitte des 18. Jahrhunderts durch das Cello u.a. „lautere" Instrumente abgelöst: das höfische Leben hatte sich dahingehend gewandelt, dass nicht mehr intime Abende im Kaminzimmer angesagt waren, wo der Hausherr oft selber zur Gambe griff. Vielmehr feierte man nun im prunkvollen – großen – Rahmen, in dem die Violine und das Cello mit ihrem größeren Klangvolumen eindeutig im Vorteil waren.
Claire Pottinger-Schmidt ist eine anerkannte Koryphäe alter Musik und arbeitet als Dozentin in Linz und Graz. Mit zweien ihrer ehemaligen Schüler, Georg Kroneis und Christoph Prendl gründete sie das Lentia Consort, mit dem sie an diesem Abend das Gambenkonzert gestaltete. Gamben in allen Stimmlagen kamen hier zum Einsatz und schufen im Kaminzimmer des Kurparkschlösschens eine ganz eigene Stimmung. Die ihnen so eigene Stimmlage passte hervorragend in diese Räumlichkeit und die gekonnte Auswahl der Stücke präsentierte den Gästen einen beeindruckenden Querschnitt durch die Literatur dieses eher selten gehörten Instruments.

Gambenmusik KPS 2

Virtuos und gefühlvoll präsentierte das Lentia Consort mit Claire Pottinger-Schmidt, Christoph Prendl und Georg Kroneis Gambenmusik aus dem 16. Bis 18 Jahrhundert

Sakrale Lieder bestimmten den ersten Teil des Konzerts und zeigten auch hier schon die Vielfalt der Stücke. Mal getragen und eher melancholisch, kamen auch beschwingte Themen vor, die Pottinger-Schmidt z.B. mit dem lebhaften Disput zweier sehr uneiniger Herren verglich. Henry VII., William Byrd, Henry Purcell – Komponisten aus dem 16. Und 17. Jahrhundert – die man sonst eher selten auf den Konzertprogrammen findet und die an diesem Nachmittag ihre ganz eigene Interpretation fand.
„Gambenspieler sind Sammler" meinte dazu die rührige Leiterin des Trios und kündigte im 2. Teil nach der Pause kurzerhand eine Programmänderung an, um „noch ein ganz besonders schönes Stück unterzubringen". Das Sammeln von Literatur für Gamben scheint wirklich ihre Leidenschaft zu sein, die allenfalls dadurch gehemmt wird, mit noch mehr Gamben in weiteren Tonlagen anzureisen. Leidenschaft aber war auch bei allen drei Musikern für diese Musik zu spüren, die sie mit viel Virtuosität und Freude für das Publikum im Kurparkschlösschen darboten. Ein Konzert, das vermutlich nur bedingt für große Konzertsäle geeignet wäre - aber hier im Kaminzimmer genau das richtige Ambiente fand und bei den Zuhörern auf große Begeisterung stieß.