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Auftakt zur neuen Konzertreihe „Passionen“ - Musikalischer Hochgenuss in St. Nikolaus

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 02. April 2015

(Text/Foto:hay) Am Palmsonntag fand die neue Konzertreihe „Passionen - Musica religiosa" in der gut besuchten St. Nikolaus Kirche in Herrsching ihren Auftakt.
Im Mittelpunkt des Konzertes standen die Werke Max Regers, die dem Abend unter dem Titel „O Mensch bewein' Dein Sünde groß" den Rahmen verliehen.
Unter diesem Motto kombinierte der künstlerische Leiter und Dirigent des Abends, Johannes X. Schachtner, Stücke unterschiedlicher Epochen, wobei vor allem zeitgenössische Komponisten im Focus standen. Die Uraufführung der „Fatal Harmonies of black sweetness" von Enjott Schneider bildete dabei den Höhepunkt.
Der Kammerchor St. Benedikt, 2006 von Stephan Schmitt und Johannes Schachtner gegründet und mittlerweile fester Bestandteil der Gemeinde Gauting, gastierte gemeinsam mit dem Münchner Vokalensemble Vollton unter der Leitung von Florian Drexel.
Das Collegium.Bratanium startete 2003 als Jugendorchesterprojekt von Franziska und Jahannes X. Schachter und entwickelte sich bis heute zu einem professionellen Projektensemble, das unter der Leitung von J. X. Schachtner junge Talente mit Mitgliedern der Münchner Spitzenorchester zusammen bringt.
Johannes X. Schachtner wurde 2014 mit dem Kunstförderpreis der bayerischen Staatsregierung ausgezeichnet und arbeitet, als Komponist und Dirigent, mit international renommierten Orchestern und Solisten zusammen. So auch zum Beginn der neuen Konzertreihe in Herrsching, zu dem Julius Berger als Solist am Cello gewonnen werden konnte. Gleich zu Beginn des Konzertes zeigte Berger sein Können im Solopart des „geläut für b."(2013). Das Stück gehört in eine Reihe von Kompositionen von Markus Schmitt, die sich den unterschiedlichen Phänomenen des reichhaltigen Klangkosmos von „Glocke" und „Läuten" widmen. In „geläut für b." gewinnt er das Klangmaterial aus den Initialen und Lebensdaten Edward Benjamin Brittens und transformiert sie in virtuelle Glockenklangspektren. Dabei beschränkte sich Bergers Cello-Solo auf einen einzigen Ton, das eingestrichene B, das er in unzähligen Variationen zu einem beeindruckenden Stück formte.
Weiter ging es mit Johann Sebastian Bach, Paul Hindemith, Max Reger und Knut Nystedt, die den Höhepunkt des Konzertes, die Uraufführung des für diesen Anlass geschriebenen Werks „Fatal Harmonies of black sweetness" für Streicher und Violoncello-Solo von Enjott Schneider, umrahmten. Der bekannte Filmmusikkomponist (z.B. „Schlafes Bruder") lehnt sich bei diesem Werk an Carlo Gesualdos (1560-1613) „Moro, lasso , al mio duolo" an und griff dessen dunkle Süße auf, die er dramatisch umsetzte. Gesualdo ist bis heute einer der rätselhaftesten Komponisten, dessen Madrigalkunst beispiellos für seine Epoche ist. Das permanente Motiv seiner Kompositionen, der „Tod" und der „Schmerz" des depressiven und in Isolation verfallenen Musikers sind in der überlieferten Ermordung seiner schönen Ehefrau und Kindes zu finden, ausgedrückt in der Madrigale und von Schneider in dem siebensätzigen Werk aufgegriffen.
Enjott Schneider war zur Premiere am Palmsonntag nach Herrsching gekommen und wurde gemeinsam mit den Musikern von den beeindruckten Besuchern mit ausgiebigem Applaus belohnt.

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