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„Komisch im Sinne von seltsam“ - Anna Piechotta sinniert im Kurparkschlösschen musikalisch über die Liebe und andere kuriose Probleme

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 02. März 2015

(Text/Foto: bg) Mit beleidigter Miene stolziert Anna Piechotta in das Kaminzimmer des Kurparkschlösschens und fixiert das Publikum sekundenlang mit ihren großen Augen: „Herrsching, seid ihr da?" ruft sie in den Raum und fordert erstmal einen gebührenden Willkommensapplaus. Mutig für eine so junge Künstlerin und lässt gespannte Erwartung aufkommen, was einen an diesem Abend erwartet: Gekonnte musikalische Unterhaltung am Klavier gewürzt mit bissigen Chansons, die aber leider in ihren Pointen nicht immer überzeugten.

Es war ein durch die herrschende Grippe zahlenmäßig geschwächtes Publikum, das an diesem Abend den Weg ins Kurparkschlösschen fand. Das Atelier Bierl hatte in Zusammenarbeit mit dem Kulturverein geladen und mit ihren hochwertigen Veranstaltungen der vergangenen Zeit waren die Erwartungen wieder hoch gesteckt. Um es vorweg zu nehmen: so ganz konnte die junge Künstlerin diese nicht erfüllen. Musikalisch, sowohl am Klavier, als auch mit ihrer einprägsamen Chanson-Stimme sehr hochwertig, ließen die Texte so manches Mal die treffsichere Spitze vermissen und da half dann auch die noch so ausdrucksstarke Mimik nicht.

Pinochetta Kabarett 1

Anna Piechotta besang im Kurparkschlösschen mit ausdrucksstarker Stimme die Begegnungen mit allerlei skurrilen und seltsamen Gestalten


Ein Programm über sehr komische und skurrile Gestalten, die ihr im Alltag begegnen – so kündigte Anna Piechotta den Inhalt des Abends an. Da war z.B. das verheißungsvolle Internet-Date, der sich aber leider als bayrisches Urgestein offenbarte und außer Weißwürsten im Biergarten nicht viel am Hut hatte. Wie sie mit zuckersüßer Stimme ihre Künste als Babysitterin lobt – und die Kinder auch wirklich brav werden, wenn sie ihnen das Plüschtier zerreißt. Und ob die Zuschauer schon mitbekommen hätten, dass sich heute eine Operninszenierung manchmal kaum von einem Bordell unterscheiden lässt? Stimmgewaltig reist sie von einem Thema zum nächsten und lässt doch den Funken nicht auf das Publikum überspringen.
In der Pause versucht die Technik, das Lautstärkeverhältnis zwischen Gesang und Klavier zugunsten ihrer Stimme besser in den Griff zu bekommen, was auch fast gelingt. Ihre Texte sind nun besser zu verstehen und so bekommt sie für die „1. Auftragsarbeit von Putin" über den Tod seines Frettchens sehr viel Applaus. Die russische Melancholie lässt ihre ausdrucksstarke Stimme voll zur Geltung kommen und hier liegt wohl hier die größte Begabung der Künstlerin, die bereits mit 15 Jahren einen Preis für ihr erstes selbstkomponiertes Stück erhielt. Noch lassen die Texte etwas von der Scharfzüngigkeit anderer Größen des Musikkabaretts vermissen, wirken die Reime ein bisschen zu konstruiert, um damit die Zuschauer ganz mitziehen zu können – Aber musikalisch auf jeden Fall ein durchaus lohnender Abend, den besonders „Georg" und „Mauci" in der ersten Reihe nicht so schnell vergessen werden. Denn diesen Handgriff vieler Kleinkünstler hatte auch sie verinnerlicht: wer in einem Kabarett unbeteiligter Zuschauer bleiben will, der hüte sich vor einem Platz ganz vorne!

Pinochetta Kabarett 2

Viel Applaus am Ende für eine Künstlerin, die am Ende noch mit zwei Zugaben aufwartete: eine fröhliche und eine melancholische – je nachdem, in welcher Stimmung man nach Hause gehen wollte