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Ein Flamencoabend, der es in sich hatte: Die Gruppe SHURANO zieht das vollbesetzte Kurparkschlösschen in den Bann!

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 19. November 2014

(Text/Foto: bg) Gitarre, ein Cello, Percussion, eine Stimme, der man sich nicht entziehen kann und dazu noch eindringliche Texte spanischer und lateinamerikanischer Dichter – und wenn sich zu dieser Mischung noch hervorragende Musiker gesellen, dann wird daraus ein Abend, der noch lange nachklingt. So geschehen im Kurparkschlösschen mit der Flamenco-Gruppe Shurano, die von den Zuhörern auch nach vielen Zugaben nur ungern gehen gelassen wurde. Ein Abend voller Poesie und Musik, der unter die Haut ging.

Wer bei Flamenco in erster Linie an schnelle, feurige Musik denkt, wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt. Die Stücke der Gruppe Shurano um den Gitarristen Ricardo Volkert boten ein Spektrum dieser Musikrichtung an, die vielen noch unbekannt war. Eine Verschmelzung des Stils spanischer Liedermacher mit den emotionalen Klängen des Flamenco und ausgewählter Lyrik ergaben eine Mischung, die den Zuhörer vollkommen in den Bann zog. Volkerts, der neben dem Studium der Gitarre auch die Literaturwissenschaft wählte, singt dazu die vertonten Texte mit einer Ausdruckskraft, der sich niemand entziehen kann. Begleitet wird er von Jürgen Schneider auf diversen Percussioninstrumenten, wie Cajon, Congas und verschiedenen Becken. Gefühlvoll und dezent setzt er die Rhythmusinstrumente ein und entlockt diesen scheinbar „einfachen" Instrumenten eine Klangvielfalt, die man nicht erwartet. Als Dritter im Bunde gibt der Cellist Jost - H. Hecker seinem Instrument eine ganz neue Daseinsberechtigung. Ob gestrichen oder gezupft entwickelt er ein virtuoses Klangspektrum, dass durch sein großartiges Improvisationsvermögen eine ganz eigene Dynamik erhält. Und wenn das Solo mal ein bisschen länger dauert, so heißt es danach erstmal die gerissenen Haare der Bespannung lösen...

Flamenco 1

Jost – H. Hecker, Ricardo Volkert und Jürgen Schneider von der Gruppe SHURANO verschmolzen förmlich in ihrer Musik und boten dem Publikum ein Klangerlebnis, wie man es nur selten hört


Der Inhalt ihrer Texte liegt der Gruppe am Herzen und scheint das Fundament ihrer Musik zu sein. Ricardo Volkert rezitiert ein Gedicht und gegen Ende greifen die Drei das Thema mit ihrem Spiel auf. Ob spanische Dichter, die seit dem Bürgerkrieg im Exil leben und ihre Wehmut nach dem Heimatland beschreiben, feurige Liebesgedichte über „Dolores", die so feurige Augen wie flackernde Kerzen hat, einen Seemann, der in seinem 2. Leben auf dem Meeresgrund leben möchte um dort mit seiner Meerjungfrau See Algen anzubauen. Ob traurig oder lustig, politisch oder einfach „nur" Lebensfreude beschreibend – ihre Musik gibt das Thema so gekonnt wieder, dass eine Übersetzung fast nicht nötig erscheint. Und sie haben das Publikum völlig in der Hand: mal bleibt kein Fuß am Boden, um den Rhythmus mitzuwippen und der Applaus brandet auf, bevor die letzten Klänge gespielt sind. Das andere Mal herrscht noch sekundenlange Stille, wenn ein von Melancholie geprägtes Stück die Zuhörer in eine andere Welt mitgenommen zu haben scheint.
Der Kulturverein präsentierte an diesem Abend drei Musiker, die „man" einfach mal gehört haben sollte. Technisches Können, ganz viel Gefühl und Spaß für „ihre" Musik und ein perfektes Aufeinander eingehen schuf ein Klangerlebnis, das nach vielen Wiederholungen ruft. Ein Abend, der lange im Gedächtnis bleiben wird!

Flamenco 3

Es dauerte noch einige Zugaben, bis die Musiker Jürgen Schneider, Ricardo Volkert und Jost – H. Hecker die Bühne endgültig verlassen konnten