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Leonard Cohen – ein poetischer Rebell wird 80 Jahre - In einer Mischung aus Texten, Bildern und Musik gibt Thomas Kraft einen gelungenen Einblick in das Leben dieses Rockidols

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 25. September 2014

(Text/Foto: bg) „Hallelujah", oder „So Long Marianne" – wer kennt sie nicht, diese eindringlichen Rockballaden, ohne die eine richtige Lagerfeuerromantik oder träumerische Gedanken bis spät in die Nacht früher einfach nicht möglich waren. Seine tiefe, melancholische Stimme, die einen gefangen nimmt - verbunden mit Texten, die berühren. Doch was für ein Mensch steckt hinter dieser Musik? In einer literarischen-musikalischen Hommage näherte sich Thomas Kraft diesem Mann, der über fünf Jahrzehnte Musikgeschichte geschrieben hat. Unterstützt wurde er dabei von der Jazz- und Soulsängerin Laura Wachter, die mit ihrer kraftvollen Stimme eine Auswahl von Cohens Stücken interpretierte.

Auf die Frage nach seinem Geburtsjahr antwortete Leonard Cohen des Öfteren mit 5996. Er bezog sich dabei auf den jüdischen Kalender, der Religion seiner Eltern, die in seiner Erziehung eine wichtige Rolle gespielt hat. Und tatsächlich wurde Cohen im September 80 Jahre – „erstaunliche 80 Jahre", wie Thomas Kraft in seiner Begrüßung meinte und dabei auf den Lebenswandel dieses erstaunlichen Mannes anspielte. Alkohol, Drogen und ein Leben, das von einer ruhelosen Suche geprägt war haben anderen Menschen schon mehr zugesetzt. Doch er belehrt uns eines besseren und veröffentlichte passend zu seinem 80. Geburtstag eine brandneue CD!

Cohen 1

Thomas Kraft stellte in seiner musikalisch-literarischen Hommage eindrucksvoll den Menschen hinter dem Rockpoeten Leonard Cohen vor


Leonhard Norman Cohen wuchs in einem wohlhabenden Viertel Montreals auf und wurde sehr religiös erzogen. Obwohl er in einem Interview als Beruf „Sünder" angab, blieb er sein Leben lang dieser religiösen Tradition verbunden. Für ihn bedeutete das auch, den Kontakt zu seiner Familie und seiner Vergangenheit aufrechtzuerhalten und viele seiner Texte und Prosa beinhalten religiöse Themen. Ein erster Einschnitt in sein Leben war der frühe Tod des Vaters, als er gerade mal 9 Jahre war. Cohen sprach von Narben, die ein Leben lang bleiben.
Maßgeblich beeinflusst hat ihn dann der spanische Dichter Federico Garcia Lorca, von dem er als Jugendlicher zufällig ein Gedichtband in die Hände bekam. Dessen dunkle und traurige Sprache, die ihn dazu bewegte „die Würde des Schmerzes zu erkennen", ließ ihn nicht mehr los und bald fing er selber an zu schreiben. Eine Gitarre kam hinzu und erste Auftritte in kleinen Kneipen folgten. Doch viel wichtiger als die Musik war ihm lange Zeit die Literatur. Auch hier verdiente er schon erstes Geld mit Lesungen, bevor er die Universität abschloss. Sein literarisches Talent wurde publik und er baute sich damit einen gewissen Ruf auf. Auch durch seine höfliche Art und gepflegte Erscheinung wurde Cohen überall zu einem gerne gesehenen Gast.
Also ein ruhiges, geradliniges und von Erfolg geprägtes Leben? Thomas Kraft unterbricht an dieser Stelle seine Lesung, um eine Auswahl von Fotos aus dem Leben des Rockpoeten zu zeigen. Und schon beim Betrachten wird klar, dass hier von geordneten Bahnen keine Rede sein kann. Als Lord Byron des Rocks wurde er bezeichnet, dessen Musik man nur bei schlechten Wetter hören könne und dem Selbstmord auf die Sprünge helfe. Woher diese Traurigkeit?
Cohens Mutter litt unter Depressionen und war es am Anfang vielleicht nur die Sorge darüber, diese Veranlagung mitbekommen zu haben – so zeigten sich auch bei ihm später erste Anzeichen. Alpträume, Konfusion, das Gefühl der Entwurzelung und ein Außenseiter, der seine eigenen Wege ging. Einmal bezeichnete Cohen sich als „einsames Arschloch, reduziert auf die Idee, dass meine Identität eine Bedeutung im Kosmos haben könne." Selbsthass und Einzelgänger – aber beileibe nicht alleine! Durch den Schmerz findet er den Weg zurück zur Kunst und schreibt seine Gefühle in die Liedtexte hinein. Und bei diesen Gefühlen spielen Frauen eine ganz wichtige Rolle! Viele gab es in seinem Leben und richtig lange hielt keine Beziehung. Kraft meint, er hätte sie danach ausgesucht, was sie für ihn tun könnten und zitiert Cohen, dass dies „dem göttlichen Plan entspreche".
Den Trennungen folgten Lieder darüber und dabei suchte er ständig die Bewunderung des Publikums. Getrieben von dem Anspruch, sich zu verbessern, brauchte er vor den Auftritten zuweilen 3-4 Flaschen Wein, um sein Lampenfieber zu bekämpfen. Er experimentierte mit Drogen, um sich dann wieder radikalen Entzügen zu stellen. In dieser Phase wurde eine kleine griechische Insel zu einem wichtigen Fluchtpunkt in seinem Leben. Und diese Flucht zog sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Später ordinierte er in einem buddhistischen Kloster und ein Mönch von dort ist wohl bis heute sein engster Freund. Und obwohl die Literatur ihm ein Leben lang das Wichtigste war, tourt er bis heute mit seiner Musik durch die Lande – und berührt bis heute viele Menschen mit seiner eindringlichen und melancholischen Musik.
Es ist eine Sache, die Stücke eines Sängers gut zu kennen – aber eine ganz andere, plötzlich den Menschen dahinter kennenzulernen. Thomas Kraft gelang es in seiner Hommage hervorragend, den Mensch Leonard Cohen vorzustellen und so hörten wohl viele Gäste das Schlusslied der Sängerin Laura Wachter „Dance me to the end of love" mit ganz anderer Aufmerksamkeit.

Cohen 3

Die Jazz- und Soulsängerin Laura Wachter und Thomas Kraft – oder ist es Leonard Cohen? – holen sich am Ende dieses tollen Abends den begeisterten Applaus des Publikums ab